Nachdem wir euch ins Rheintal und ins Engadin mitgenommen haben, beenden wir unsere Artikelserie über unseren Roadtrip durch Graubünden mit der Region, die im Zentrum des Kantons zwischen den kleinen Städten Davos und Thusis liegt. Wenn man an Graubünden denkt, kommen einem natürlich sofort die berühmten Rheinschluchten oder das Engadin in den Sinn, aber man würde nicht unbedingt daran denken, diesen Teil des Kantons zu besuchen. Wie so oft gab es jedoch auch in diesen weniger bekannten Gegenden einige schöne Überraschungen, die wir euch in diesem Artikel gerne vorstellen möchten.
Übrigens haben wir diese Ausflüge nicht alle hintereinander gemacht, sondern sie waren an den Tagen 3, 6 und 7 unserer Reise durch Graubünden. Wenn du unsere komplette Reiseroute sehen willst, kannst du unseren Artikel dazu hier lesen.
Davos: Alter Zügenweg und Rhätische Bahn

Das Wetter ist nicht gerade super, als wir am Morgen des dritten Tages unseres Roadtrips aufwachen. Eigentlich wollten wir eine Wanderung zu den Jöriseen-Seen machen, die echt toll aussehen (damit ihr euch ein Bild machen könnt, schaut mal hier rein). Aber leider liegt Anfang Juli in dieser Höhe noch viel Schnee auf den Wegen (die Wanderung geht auf fast 2800 m Höhe)… Wir hatten wegen des Schnees schon gezögert, aber bei diesem Wetter hätten wir sowieso nichts gesehen… Also kein Grund zum Bedauern! Wir heben uns die Jöri-Seen für das nächste Mal auf und entscheiden uns für unseren Plan B: den Alter Zügenweg (oder auf Französisch „vieux chemin de Zügen“).
Dieser Weg ist in vielerlei Hinsicht interessant:
- Zuerst geht’s hoch hinauf, dann runter in die Zügner Schlucht, wo man echt coole Aussichten hat.
- Hier kannst du das tolle Kulturerbe der Rhätischen Bahn erkunden, zum Beispiel das beeindruckende Viadukt von Wiesen oder den Bärentritt (ein Tunnel, der direkt über einem Wasserfall in der Zuger Schlucht endet).
- Da dieser Weg mehr oder weniger entlang der Eisenbahnschienen verläuft, kann man mit dem Zug zurückfahren.
Wir lassen den Van auf dem Parkplatz des Bahnhofs Davos Glaris stehen (kostenloses Parken) und überqueren den Fluss Landwasser, um die Wanderung am rechten Ufer zu starten. Die ersten 2 km der Wanderung sind nicht besonders spannend, weil man hauptsächlich auf einem Weg entlangläuft. Aber bald kommt man in den Wald, der die Zügener Schlucht überragt. Die Atmosphäre ist ziemlich mystisch, weil die Wolken im Tal tanzen. Außerdem ist der Weg, der auf einem ziemlich steilen Hang durch den Wald führt, echt schön, mit ein paar hübschen Wasserfällen.





Nach etwa 6 km geht’s den Weg runter bis zum Grund der Schlucht, wo man auf einen Pfad kommt, der eigentlich die alte Straße ist, die durch die Schlucht führte und früher von Kutschen benutzt wurde, um nach Davos zu kommen. Entlang dieses Weges kann man an mehreren Stellen die unglaublichen Bauwerke der Rhätischen Bahn sehen… Es ist schon ziemlich verrückt, wenn man bedenkt, dass es den Menschen vor über 100 Jahren gelungen ist, Züge durch diese Schluchten zu fahren.
Wir fahren unter anderem am Bärentritt vorbei, einem Ort, an dem der Zug aus einem Tunnel kommt und über eine Brücke direkt über einem Wasserfall fährt… Wirklich beeindruckend! Dann geht’s weiter durch die Schlucht bis zum Bahnhof Wiesen mit seinem beeindruckenden, 200 m langen und 88 m hohen Viadukt. Für Fotos ist es übrigens ganz cool, zu warten, bis die Züge über diese Bauwerke fahren. Die Fahrpläne findest du ganz einfach auf der Website der SBB.




Wenn du Lust auf eine längere Wanderung hast, kannst du auch über das Wiesenviadukt laufen, dann zum Landwasser-Viadukt weitergehen (wir erzählen dir gleich mehr darüber) und am Bahnhof Filisur enden (blaue Route auf der Karte unten). Dadurch verlängert sich die Wanderung um 9 km, aber dafür hast du einige der schönsten Bauwerke der Rhätischen Bahn in einer einzigen Wanderung gesehen 😉 .
- Entfernung: ca. 11 km (20 km, wenn du bis zum Bahnhof Filisur gehst)
- Höhenunterschied: 400 m + und 700 m – (bis zum Bahnhof Wiesen)
- Schwierigkeitsgrad: mittel
- Dauer: 3–4 Stunden bis zum Bahnhof Wiesen (6–7 Stunden bis Filisur)
- Start: Parkplatz am Bahnhof Davos Glaris
Das Landwasser-Viadukt
Das Landwasser-Viadukt ist echt ein Symbol für den Kanton Graubünden und das bekannteste Viadukt der Albula-Linie der Rhätischen Bahn, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Diese Bahnstrecken sind so bekannt, weil ihr Bau zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine echte Herausforderung war (42 Tunnel und 144 Viadukte allein auf der Albulastrecke) und sie dazu beigetragen haben, den Zugang zu den Zentralalpen zu erleichtern. Außerdem fügt sich der architektonische Stil aus Stein wunderbar in die Alpenlandschaft Graubündens ein.
Das Landwasser-Viadukt ist aber weder das höchste (65 m) noch das längste (142 m) Viadukt der Strecke… Vielleicht ist es die Tatsache, dass es buchstäblich in einen Tunnel mündet, der mitten in eine Felswand gegraben wurde, die es so berühmt macht. Wie auch immer, wenn du keine Lust auf die 20 km lange Wanderung hast, die wir dir gerade vorgeschlagen haben, kannst du einfach am Parkplatz des Viadukts anhalten und einen kleinen Spaziergang zu den verschiedenen Aussichtspunkten machen. Es lohnt sich wirklich!




Um dir zu helfen, haben wir unten eine kleine Karte mit einer Route vorbereitet, die an den verschiedenen Aussichtspunkten vom Parkplatz aus vorbeiführt.
- Wenn du wissen willst, wann die Züge über das Viadukt fahren, hat die Touristeninformation dafür eine spezielle Seite eingerichtet, die du hier findest.
- Es ist auch echt cool, das Viadukt vom Zug aus zu sehen. Wir haben das vor langer Zeit gemacht (4. Foto) und die Zugführer fahren langsamer, damit die Passagiere das Viadukt richtig genießen und Fotos machen können.
Tolle Wanderung auf der Alp Flix
Am sechsten Tag unseres Roadtrips durch Graubünden verlassen wir das Engadin bei strahlendem Sonnenschein. Wir überqueren den Julierpass (2284 m) und fahren hinunter zum kleinen Dorf Bivio. Wir freuten uns darauf, diesen Pass zu überqueren, denn bei der Vorbereitung des Roadtrips hatten wir auf Instagram beeindruckende Bilder von den kurvenreichen Serpentinen des Passes gesehen. Der Julierpass ist zwar echt schön und die Straße hat tatsächlich viele Kurven, aber alle diese Bilder wurden mit Drohnen aufgenommen und vom Boden aus sieht man das Ganze natürlich ganz anders! Kurz gesagt: Die Drohnenbilder sind beeindruckend und verkaufen auf Instagram einen Traum, aber sie sind auch ein bisschen irreführend 😉
Eine kleine Kuriosität am Rande: Im Dorf Bivio gibt’s die höchstgelegene Rösterei Europas (handwerkliche Kaffeerösterei). Pech für uns, die haben nur montags bis freitags nachmittags auf und wir waren an einem Samstag in Bivio. Wenn du ihren Kaffee probierst, erzähl uns doch, wie er dir geschmeckt hat 😉

Weiter geht’s zum Dorf Sur, wo unsere heutige Wanderung zur Alp Flix startet. Die Hochebene der Alp Flix ist bekannt für ihre Artenvielfalt und ihre Moorlandschaften stehen unter Naturschutz. Ein weiterer Pluspunkt: Obwohl wir an einem sonnigen Samstag unterwegs waren, haben wir kaum Leute getroffen und hatten den Ort fast für uns allein.
Man nimmt den Weg, der direkt hinter der Dorfkirche von Sur hochgeht. Der erste Kilometer ist ziemlich steil, aber dann kommt man auf einen kleinen Pfad, der sanfter ansteigt und schöne Ausblicke auf das Dorf und den Piz Platta (3392 m) bietet.


Dann kommt man auf das Plateau, indem man am „Lai Neir” (auf Deutsch wohl „schwarzer See”) vorbeigeht, der genau im Naturschutzgebiet liegt. Wir gehen weiter und erreichen nach ein paar hundert Metern die Seen von Flix. Dieser wunderschöne Ort ist super für ein kleines Picknick oder eine Pause zum Entspannen (oder sogar für einen Sprung ins Wasser, wenn du kein Problem mit kaltem Wasser hast 😉 ).




Nicht weit von den Seen entfernt kommt man an ein paar Häusern vorbei, wo es einen kleinen Laden mit Produkten aus der Alm gibt, die man sich selbst nehmen kann. Das ist in den Schweizer Bergen ziemlich häufig anzutreffen (Bauern, die ihre Produkte in einem kleinen, für alle zugänglichen Raum vor ihrem Bauernhof verkaufen) und wir lieben es… Es ist einfach toll zu sehen, dass ein System, das auf Vertrauen basiert, noch funktioniert. Ich muss wohl nicht extra erwähnen, dass wir uns nicht lange bitten ließen und uns für das Ende unseres Roadtrips mit Alpkäse eingedeckt haben!
Von dort aus kann man noch ein Stück weiter bis zu einer Almhütte gehen, um was zu trinken… Ansonsten geht’s einfach den Weg entlang des Flusses zurück ins Dorf Sur.

- Entfernung: ca. 7 km
- Höhenunterschied: +- 350 m
- Schwierigkeitsgrad: leicht
- Dauer: 2-3 Stunden zu Fuß
- Start: Parkplatz direkt vor der Kirche von Sur
Von Thusis zu den Viamala-Schluchten
Es ist schon Zeit, den Kreis zu schließen, und wir beenden diesen Roadtrip durch Graubünden mit einem letzten Stopp in der kleinen Stadt Thusis, um die Viamala-Schlucht (was auf Rätoromanisch „schlechter Weg“ bedeutet) zu erkunden. Diese Schluchten, die an manchen Stellen bis zu 300 m hoch sind, wurden vom Hinterrhein (im Gegensatz zum Vorderrhein, in den er kurz vor der Stadt Chur mündet) gegraben. Früher waren sie das größte Hindernis für eine wichtige Handelsroute über den Splügenpass, die Thusis mit Chiavenna in Norditalien verband.
Um besser zu verstehen, was die Maultiertreiber damals beim Durchqueren dieser Schluchten empfunden haben, haben wir uns entschieden, ein kleines Stück der Via Spluga (einem kulturhistorischen Wanderweg, der Thusis mit Chiavenna verbindet) bis zur Viamala-Schlucht zu gehen.
Wir starten diese Wanderung mit einem kleinen Reinfall, weil wir uns für einen ziemlich steilen Weg entscheiden, um direkt zum Schloss Hohen Rätien hochzukommen… Was wir aber nicht gesehen haben, war, dass es einen weniger direkten Weg gab, der an einem anderen Schloss, dem Schloss Ehrenfels, vorbeiführte. Kurz gesagt, wir zeigen euch die Route, die an beiden Burgen vorbeiführt, auf der Karte unten, damit ihr nicht denselben Fehler macht wie wir. Man muss zwar einen kleinen Eintritt von 5 CHF zahlen, aber die Aussicht vom Turm der Burg Hohen Rätien ist ihr Geld mehr als wert.

Vom Schloss aus geht’s auf einem Pfad entlang hoher Felsen über dem Hinterrhein. Der Weg ist echt cool im Wald mit beeindruckenden Ausblicken auf die Schluchten und den Fluss (mit seiner wunderschönen türkisfarbenen Farbe) ein paar hundert Meter tiefer. Nach 6 km Wanderung geht’s über eine beeindruckende, absteigende Brücke, die den Eingang zum Naturpark Beverin markiert (in dem wir uns bereits auf der Alp Flix befanden).




Nach 8 km Wanderung kommt man auf die Straße, genau am Eingang zur Viamala-Schlucht. Hier kann man über eine lange Treppe zum Grund der Schlucht runtergehen (Eintritt 6 CHF) und die beeindruckenden Felswände bewundern, die der Hinterrhein über Jahrtausende geformt hat. Eine schöne Belohnung nach dieser Wanderung! Und wenn du wie wir nicht die Kraft hast, zu Fuß zurückzugehen, gibt es direkt am Eingang der Schlucht eine Bushaltestelle, von der aus du mit dem Bus nach Thusis zurückfahren kannst (wir empfehlen dir, deine Wanderung nach dem Busfahrplan zu planen, da es nicht sehr viele Busse pro Tag gibt).



- Entfernung: ca. 8–9 km
- Höhenunterschied: ungefähr 500 m bergauf und 200 m bergab
- Schwierigkeitsgrad: mittel
- Dauer: 3 Stunden zu Fuß
- Start: Es gibt mehrere Parkplätze in der kleinen Stadt Thusis.
Das war unser letzter Beitrag über diese Reise durch Graubünden und wir hoffen, dass wir euch ein paar schöne Ecken zeigen konnten. Eins ist jedenfalls klar: Egal, ob du Naturliebhaber oder Road-Trip-Fan bist, Graubünden wird dir gefallen. Die kurvigen Straßen und einige der höchsten Pässe der Alpen sorgen für ein echtes Abenteuer… ganz zu schweigen von den unzähligen Wandermöglichkeiten in dieser Region. Eine Reise ins Herz der Schweizer Alpentraditionen, die wir so schnell nicht vergessen werden.
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Mehr Infos zum E-Book und zur interaktiven Karte findest du in diesem Artikel.
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Hinweis: Dieser Roadtrip wurde zusammen mit Graubünden Tourismus organisiert. Wir bedanken uns herzlich bei Thalia für ihr Vertrauen und ihre tollen Tipps. Während dieser Reise hatten wir freie Hand bei der Planung/Auswahl unserer Route sowie unserer Unterkünfte und Aktivitäten. Außerdem wusste niemand, dass wir einen Reiseblog betreiben.



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