Wir sind nun seit etwas mehr als zwei Wochen in Norwegen und man kann wirklich sagen, dass wir von diesem Land absolut begeistert sind. Ob die Landschaften, die Infrastruktur oder die Tatsache, dass man hier so einfach mit dem Van unterwegs sein kann – alles ist einfach perfekt! Kurz gesagt, wir werden euch in zukünftigen Artikeln sicher noch ausführlicher von all diesen Punkten berichten. Aber heute wollten wir euch von einem unglaublichen Konzept erzählen, das wir hier entdeckt haben: die Dagsturhytter.

Sagt dir das Wort nichts? Keine Sorge, uns hat es auch nichts gesagt! Um ehrlich zu sein, als wir unsere erste Wanderung zu einer „Dagsturhytta“ gemacht haben, dachten wir, das wäre der Name der Hütte und nicht das Konzept. 😉 Aber von welchem Konzept rede ich denn da eigentlich, wirst du dich fragen?
Die Dagsturhytter – die norwegischen Tageshütten
Die Dagsturhytter (wörtlich übersetzt „Tageswanderhütten“) sind ein typisch norwegisches Konzept, das darauf abzielt, das Wandern für alle zugänglicher zu machen und vor allem Wanderern eine hochwertige „Zuflucht“ zu bieten. Es handelt sich um kleine, öffentlich zugängliche Hütten, die meist in der Nähe von Wanderwegen liegen (und oft einen schönen Ausblick bieten); die meisten sind in wenigen Stunden zu Fuß erreichbar.


Im Gegensatz zu herkömmlichen Berghütten sind sie nicht zum Übernachten gedacht, sondern zum Ausruhen: ein Unterschlupf vor dem Regen, ein Ort, um sein Picknick zu essen, oder einfach ein Aussichtspunkt, an dem man anhalten kann, um die Landschaft zu genießen.
Das Konzept der „Dagsturhytter“ entstand in den 2010er Jahren in Norwegen, wobei die erste Initiative in der Region Vestland gestartet wurde. Seitdem sind jedoch viele andere Regionen mitgemacht, und mittlerweile gibt es fast 130 dieser Hütten (hauptsächlich in der südlichen Hälfte des Landes).
Die Dagsturhytter haben ein klares Ziel: die Natur zugänglicher zu machen und die Leute dazu zu motivieren, rauszugehen – und sei es nur für eine kurze Wanderung. Und das finden wir, ehrlich gesagt, einfach unglaublich!!!

Sie sind gedacht für:
- Ausflüge mit der Familie oder mit Freunden fördern
- das Wandern für Anfänger weniger einschüchternd machen
- einfache Ausflugsziele für einen Tagesausflug finden
- oftmals wenig beachtete Sichtweisen hervorheben
- und naja… machen wir uns nichts vor… da das norwegische Wetter ziemlich launisch sein kann, ist es doch motivierend zu wissen, dass uns am Ziel ein trockener und warmer Ort erwartet. 😉
Warum ist dieses Konzept der „Dagsturhytta“ so genial?
Was die Dagsturhytter wirklich interessant macht, ist nicht nur ihre Fotogenität oder ihre oft spektakuläre Lage. Es ist vor allem die Philosophie hinter dem Konzept: die norwegische Natur einfach, zugänglich und unprätentiös zu machen.
Eine echte Einladung, nach draußen zu gehen
In Norwegen ist die Kultur des „Friluftsliv“ (Leben in der freien Natur) tief verwurzelt. Die „Dagsturhytter“ reihen sich daher in diese Tradition ein, allerdings mit einem moderneren Ansatz.
Sie geben einem Ausflug in die Natur ein konkretes Ziel. Anstatt „einfach nur spazieren zu gehen“, wandert man zu einem bestimmten Ort, oft mit einer tollen Aussicht oder einer bemerkenswerten Kulisse. Das motiviert dazu, öfter rauszugehen, auch wenn das Wetter oder die Motivation nicht ganz perfekt sind.


Sie liefern Ideen für Ausflüge
Schließlich ermöglichen es die Dagsturhytter oft, Orte zu entdecken, die man sonst nie erkundet hätte. Manchmal liegen sie auf unscheinbaren Hügeln, lokalen Gipfeln oder wenig bekannten Aussichtspunkten. Um ehrlich zu sein, war es ein Foto von einer dieser Hütten, das uns dazu gebracht hat, eine Wanderung in der Gegend zu machen! Wir sind uns wirklich nicht sicher, ob wir diesen Berg ohne die Hütte überhaupt erkundet hätten.
Sie bieten also eine andere Sichtweise auf das Land: weniger auf die großen Touristenattraktionen fokussiert, sondern mehr auf die alltäglichen Landschaften, die die Norweger selbst besuchen. Man könnte sich übrigens gut vorstellen, dass dieses Konzept auch in anderen Ländern gut funktionieren würde, sogar in der Schweiz!

Die Dagshytter basieren auf dem Prinzip des Vertrauens
Die Dagsturhytter sind keine bewirtschafteten Hütten, aber sie sind auch nicht „sich selbst überlassen“. Ihre Instandhaltung basiert auf einem recht typisch norwegischen System: Die Verwaltung wird gemeinsam von den Bezirken (Fylkeskommune), den Gemeinden und manchmal auch lokalen Vereinen übernommen.

In Norwegen wird das Prinzip großgeschrieben: Diese Hütten sind Teil der Friluftsliv-Infrastruktur, gelten also als Allgemeingut, und man spürt, dass dieses Konzept wirklich SEHR respektiert wird! Es steht Brennholz zur Verfügung (das mehrmals im Jahr von Freiwilligen oder den Gemeinden gebracht wird) und drinnen gibt es immer einen Handfeger. Die Idee ist, dass jeder den Ort respektiert und ihn sauber hinterlässt, und ich muss zugeben, wir waren beeindruckt, wie absolut blitzsauber alle Hütten waren, die wir gesehen haben. Absolut jeder, den wir gesehen haben, macht mit, zieht die Schuhe aus und nimmt seinen Müll mit, und viele räumen noch einmal auf oder putzen kurz, bevor sie gehen (wir als Erste, haha).
PS: Wichtiger Hinweis! Damit diese Orte sauber bleiben, sind Hunde drinnen nicht erlaubt. 😉 Wir haben die Besichtigungen zwar genossen, aber unser Picknick immer draußen gegessen (es gibt oft Bänke, die auch vor Regen und Wind geschützt sind).
Wo und wie findet man eine Dagsturhytta?
Google ist dein Freund! 🙂 Aber mal im Ernst: Es stimmt, dass man durch die Suche nach „Dagsturhytta“ in der Regel schon einen guten Eindruck bekommt und vor allem viele Fotos und Bewertungen sehen kann, bevor man sich auf den Weg macht. Aber natürlich sind die Norweger besser organisiert und haben eine Website eingerichtet, auf der alle Hütten aufgelistet sind.
Die Website ist nur auf Norwegisch, aber mit dem Browser-Übersetzer kommt man gut zurecht. Oder du gehst direkt auf die Kartenseite, wo du eine interaktive Karte mit allen Standorten findest. Wenn du darauf klickst, siehst du die Entfernung und die Gehzeit vom nächsten Parkplatz sowie den Schwierigkeitsgrad (grün = leicht, orange = mittel und rot = schwer). Insgesamt gibt es in Norwegen derzeit 130 dieser offiziellen Hütten, auch wenn es überall noch Hunderte weiterer kleiner Hütten und Unterstände gibt – diese hier sind jedoch für ihr Design bekannt.
Ein Beispiel für eine kleine Hütte, wie es sie in Norwegen auf der Venelifjell-Wanderung, von der wir hier berichtet haben, zuhauf gibt. Diese Hütte ist zwar keine Dagsturhytta, bietet aber trotzdem Schutz (und die Lage ist, seien wir ehrlich, auch nicht schlecht) ;).

Unsere Wanderungen zu den Tageshütten
Hier findest du alle unsere Wanderungen zu den Dagsturhytter in Norwegen. Die Liste wird sich im Laufe der Reise sicher noch um einiges verlängern. 😉
- Dagsturhytta Hekkfjellhytta: Unsere erste Wanderung, die uns Lust gemacht hat, noch mehr zu entdecken. Sie liegt oberhalb von Eiken im Süden Norwegens, ist mittelschwer (ca. 3 Stunden für die Rundwanderung) und bietet wirklich eine atemberaubende Aussicht. Du kannst die Wanderroute hier herunterladen oder unseren ausführlichen Artikel hier lesen.





- Die Tageshütte Rosshagen: Diese Hütte liegt in der Nähe von Egersund und ist wahrscheinlich eine der am leichtesten erreichbaren. Vom Parkplatz aus ist sie in weniger als 15 Minuten zu erreichen. Aber wenn du uns kennst, ahnst du sicher, dass wir uns für ein paar Umwege entschieden haben. 😉 Insgesamt haben wir eine schöne Wanderung von etwa 1,5 Stunden in diesem großen Park zwischen Egersund und Hestnes gemacht. Wenn dich unsere Wanderung interessiert, kannst du die Route hier herunterladen.




- Dagsturhytta Utsletteslottet: Der Utslettefjellet liegt nur auf 250 m Höhe … und trotzdem … ist die Aussicht dort schon spektakulär! Die Wanderung ist stellenweise steil, aber relativ kurz (rechne mit etwa 1,5 Stunden für den Hin- und Rückweg). Der Startpunkt ist der Sportplatz in der Nähe von Sagvag (GPS-Punkt). Insgesamt ist die Wanderung knapp 2 km lang, aber da das Gelände nicht ganz einfach ist (und es doch einen gewissen Höhenunterschied gibt), solltest du für den Aufstieg besser 45 Minuten bis 1 Stunde einplanen. Lade hier die GPX-Route herunter




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