
Das Gastlosenmassiv (auf Französisch „les inhospitalières“ 😉 ) liegt an der Grenze zwischen den Kantonen Freiburg und Bern in der Schweiz (und fast auch dem Kanton Waadt… es geht nur um ein paar Kilometer). Eigentlich waren es unsere Freunde Letizia und Raph, die uns vor zwei Jahren von dieser Bergkette erzählt haben, als sie uns auf der Via Alpina besucht haben.
Sie haben uns diese Wanderung echt schmackhaft gemacht, indem sie von Landschaften erzählt haben, die den berühmten Dolomiten sehr ähnlich sind, aber in der Schweiz liegen. Also nutzte ich (Benoît) einen schönen Sonntag im September, um mit meiner Schwester und einem meiner besten Freunde eine Tour um die Gastlosen zu machen und zu sehen, ob sie ihrem Ruf gerecht wird 🙂
Die Gastlosen: Wo liegen sie, was sind sie?
Wie ich dir schon gesagt habe, liegt die Gastlosen-Kette direkt oberhalb des Dorfes Jaun, fast an der Grenze der drei Schweizer Kantone Freiburg, Bern und Waadt… Es ist auch die Sprachgrenze der Schweiz (oder Röstigraben… die Rösti-Barriere), also wundere dich nicht, wenn du die Leute Schweizerdeutsch und Französisch sprechen hörst.
Die Gastlosen sind vor allem für zwei Sachen bekannt:
- Das Grossmutterloch: Das ist ein Loch mitten auf der Wand der Gastlosen. Der Legende nach hat der Teufel, sauer auf seine Oma, sie gegen den Felsen geschleudert, wodurch ein Loch in der Wand entstanden ist 😉 . Das Loch ist vor allem bei Fotografen beliebt, die im Winter hierherkommen, um die Sonnenstrahlen zu sehen und zu fotografieren, die durch diese Öffnung scheinen (googelt einfach mal «Grossmutterloch», dann wisst ihr, was ich meine).
- Klettern: Die Gastlosen mit ihren senkrechten Felswänden sind ein Paradies für Kletterer aus der Region (und sogar aus der ganzen Welt). Es gibt Hunderte von verschiedenen Routen mit allen Schwierigkeitsgraden… Sogar der weltbeste Kletterer Adam Ondra war 2013 hier, um die Route mit dem schönen Namen „Torture physique” (körperliche Folter) zu klettern 😉
Wie kommt man zu den Gastlosen? Es gibt mehrere Möglichkeiten, zu den Gastlosen zu kommen:
- Mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Du kannst mit dem Bus von Bulle ins Dorf Jaun fahren, dann gibt’s einen Sessellift, der dich bis zum Fuß der Gastlosen bringt, wo die Wanderung losgeht. Alle Infos findest du auf der Website der SBB (aber ehrlich gesagt ist das nicht der am besten mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbare Ort in der Schweiz).
- Mit dem Auto: Du kannst ganz einfach mit dem Auto bis zum Dorf Jaun fahren und dann weiter bis zur Buvette des Sattels. Wenn du etwa 500 m hinter der Buvette weiterfährst, gibt es einen idealen Parkplatz, um die Wanderung zu starten.
Die Wanderung um die Gastlosen
Ich kann dir gleich sagen, dass du kein Profi-Kletterer sein musst,um die Gastlosen zu genießen. Es gibt nämlich eine schöne Rundwanderung, die um die ganze Bergkette führt und leicht an einem Tag zu schaffen ist. Das haben wir uns an diesem schönen Sonntag im September vorgenommen.
Wie ich oben schon gesagt habe, kann man mit dem Zug und dann mit dem Bus bis zum Dorf Jaun fahren und dann den Sessellift nehmen, der einen zum Wanderweg „Tour des Gastlosen“ bringt. Da wir aber ein Auto hatten, sind wir lieber direkt zum Parkplatz gefahren, der gleich hinter der Buvette des Sattels liegt (der Parkplatz war übrigens am Sonntagmorgen um 9 Uhr schon halb voll … Wenn du also die Wanderung unter der Woche machen kannst, um den Menschenmassen auszuweichen, ist das besser).
Die Runde lässt sich super in beide Richtungen machen, aber aus irgendeinem Grund laufen die meisten Leute gegen den Uhrzeigersinn (und starten bei der Soldatenhütte). Vielleicht aus purer Widerspenstigkeit haben wir uns entschieden, es andersherum zu machen. Also gehen wir zuerst in Richtung der Seilbahnstation. Die Sonne ist noch auf der anderen Seite der Gastlosen, aber wir kommen schon an einem schönen Aussichtspunkt vorbei, der für angehende Instagrammer eingerichtet wurde (ich finde eher, dass er die Landschaft ruiniert, aber gut #alterTrottel 😉 ).

Nach der Sesselbahn geht’s ein bisschen runter und dann wieder im Wald hoch bis zur Grat-Hütte. Auf der anderen Seite des Massivs kommt man wieder in die Sonne und kann die schönen Aussichten auf die Freiburger Voralpen genießen.


Der nächste Teil der Wanderung führt über etwa 4–5 km entlang der gesamten Gastlosen-Kette bis zum Wolfs Ort. Die Landschaft ist echt spektakulär und man kann die vielen Kletterer beobachten, die verschiedene Routen erklimmen (manchmal echt beeindruckend … man sollte keine Höhenangst haben 😉 ). Zu unserer Linken haben wir auch einen tollen Blick auf die gesamten Berner Alpen und können das magische Trio Eiger, Jungfrau und Mönch gut sehen.
Beim Wandern kannst du auch das berühmte Grossmutterloch in einer der Wände der Gastlosen sehen. Ich muss im Winter nochmal herkommen, um das Spektakel der Sonnenstrahlen zu bewundern, die durch diese Öffnung scheinen.




Als wir am Wolfspass ankamen, haben wir uns entschieden, ein Stückchen links in Richtung Wandflue hochzugehen, um einen schönen Blick auf das ganze Gastlosenmassiv zu haben. Leider hatten wir keine Zeit, bis zum Gipfel hochzugehen, aber ehrlich gesagt hatten wir schon auf halber Strecke ein echt tolles Panorama. Wir nutzten diesen schönen Aussichtspunkt, um ein leckeres Bier aus der Brauerei 7 Peaks zu öffnen, das wir in unseren Rucksäcken mitgenommen hatten. Also, wenn du die Energie hast, empfehlen wir dir echt, ein Stück zur Wandflue hinaufzusteigen, um die Aussicht zu genießen. Auch wenn der Weg steil und etwas schwierig ist, wirst du für deine Mühen belohnt 😉




Nach dieser kleinen, wohlverdienten Pause geht’s wieder runter zum Col du Loup und dann weiter zum Chalet du Soldat (das früher von der Gebirgsinfanterie genutzt wurde, heute aber Unterkunft und Verpflegung anbietet). Wir wollten eigentlich kurz auf der Terrasse etwas essen, aber leider war es so voll, dass wir keine Lust hatten, zu warten (ich wiederhole mich, aber versucht, wenn möglich unter der Woche zu kommen). Also sind wir weiter auf dem Weg zum Parkplatz gegangen, wo wir unser Auto ein paar Stunden zuvor abgestellt hatten.
Anstelle der Soldatenhütte hatten wir die gute Idee, in der Buvette des Sattels was zu essen, die eine super Speisekarte mit lokalen und saisonalen Produkten hat. Ehrlich gesagt, können wir sie echt empfehlen!

Nützliche Infos
- Entfernung 11–12 km
- Höhenunterschied +- 7/800 m (kommt drauf an, ob du zur Windflue hochgehst oder nicht)
- Schwierigkeitsgrad leicht (nur der Teil, der zur Windflue hochgeht, kann etwas schwieriger sein)
- Dauer 4–5 Stunden
Lade die Route auf AllTrails runter
Zum Herunterladen gehst du einfach auf AllTrails und wenn du noch kein Konto hast, legst du eins an (es ist kostenlos). Dann kannst du auf über 30 Formate zugreifen, um unsere Routen herunterzuladen und sie in die App deiner Wahl zu importieren.
Wenn du die Karten offline über AllTrails nutzen willst, musst du auf ein AllTrails+-Konto upgraden (das haben wir auch). Wenn du diesen Link nutzt, bekommst du 30 % Rabatt (1,75 € pro Monat für ein Jahr statt 2,50 € pro Monat).
4 Tage Wandern in den Gastlosen
Willst du das Vergnügen ein bisschen verlängern und vor allem von einem zertifizierten Bergführer begleitet werden, um mehr Tipps und Anekdoten über die lokale Flora und Fauna zu bekommen? Dann empfehlen wir dir, dir diesen von Allibert Trekking angebotenen Aufenthalt anzuschauen. Die Route umfasst die „klassische Tour”, fügt aber noch mehrere Gipfel hinzu. Diese Route ist für ein breites Publikum geeignet, da die Wandertage zwischen 4 und 6 Stunden dauern – eine schöne Möglichkeit, die Gegend in Begleitung eines Enthusiasten und einer Gruppe anderer Wanderer zu entdecken.
Ich hoffe, ich habe euch Lust gemacht, die Gastlosen, unsere kleinen Schweizer Dolomiten, zu entdecken. Auf jeden Fall hat mich dieser erste Einblick dazu gebracht, mit Fabienne mal (unter der Woche) wiederzukommen, vielleicht im Chalet du Soldat zu übernachten und in aller Ruhe das schöne Abend- oder Morgenlicht zu genießen. Fortsetzung folgt 😉
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