Neuer Blogbeitrag und eine neue Wanderung in der Deutschschweiz für euch! Letzte Woche hatten wir am Nachmittag einen Termin in Zürich und haben uns gedacht, wir könnten morgens ein bisschen die Beine vertreten und vielleicht einen schönen Aussichtspunkt über dem Zürichsee finden! Da für diesen Tag Stratuswolken unterhalb von 800 m Höhe vorhergesagt waren, haben wir uns spontan für den Sihlsee entschieden. Da er auf 900 m Höhe liegt, konnten wir sozusagen sicher sein, über den Wolken zu sein.

Unser Ziel für heute? Der Stöcklichrüz. Dieser Name, der beim Aussprechen ein bisschen im Hals kratzt, ist ein bekannter Aussichtspunkt in der Region, weil man von dort einen 360°-Blick auf den Zürichsee, den Sihlsee und auch die umliegenden Berge hat.
Hey, lass uns einen coolen Ausflug im Kanton Schwyz machen!
Start in Willerzell am Sihlsee
Die Wanderung startet direkt am See, beim Campingplatz „Grüene Aff“ (es gibt einen kostenlosen Parkplatz an der Straße und eine Bushaltestelle). Zuerst geht’s über den Campingplatz und dann auf eine kleine Straße, die den See überblickt. Der Abschnitt auf der Straße ist echt kurz und bald biegst du links ab, um zu den Weiden hochzugehen.


Während dem Aufstieg sind uns zwei Sachen besonders aufgefallen: Die erste? Die Aussicht natürlich! Je höher wir kommen, desto besser wird der Blick auf den Sihlsee und man kann sogar in der Ferne die Stratuswolken sehen!
Das zweite, was uns neugierig gemacht hat, war … ein Sessellift (sorry, das hat uns so zum Schmunzeln gebracht, dass wir vergessen haben, ein Foto davon zu machen). Jedenfalls scheint ein Sessellift im Garten eines Hauses zu stehen. Das Krasse daran ist, dass er von einem Zaun umgeben ist. Ich hab zu Benoit gesagt, dass es bestimmt ein privater Sessellift für den Typen ist, der da wohnt, um seine Einkäufe hochzufahren. Nach ein bisschen Recherche im Internet sieht es so aus, als hätte mein Instinkt mich nicht getäuscht! Haha, wir haben echt alles gesehen!



Ankunft in Gruebhöchi und sein toller Ausblick
Der Rest des Aufstiegs verlief ohne große Überraschungen, muss ich sagen. Der Weg ist super gemacht, der Hang ist gleichmäßig und vor allem ist die Aussicht immer noch atemberaubend. Je weiter man sich vom Sihlsee entfernt, desto mehr sieht man die Berge in Richtung Kanton Glarus.
Nach einer knappen Stunde Aufstieg sind wir am Fuße des Gruebhöchi, einem kleinen Gipfel mit einem Kreuz, angekommen. Von hier aus folgen wir einem breiten Weg und genießen die Aussicht.



Spaziergang auf dem Balkon bis zum Stöcklichrüz
Ab dem Gruebhöchi ist der Aufstieg so gut wie geschafft (okay, bis zum StöckliChrüz sind es noch ein paar Meter, aber das ist echt nur eine Kleinigkeit). 1,5 km lang geht’s dann mehr oder weniger flach weiter, immer mit einem atemberaubenden Blick auf den See und die Umgebung.


Ganz am Anfang des Weges sind wir an einem kleinen Denkmal vorbeigekommen, das zum Gedenken an die polnischen Soldaten errichtet wurde. Ich muss zugeben, dass mir dieser Teil der Geschichte total unbekannt war… Tatsächlich haben 1940 angesichts einer deutschen Offensive 30’000 französische und 12’000 polnische Soldaten darum gebeten, in die «neutrale Schweiz» zu kommen, wo sie als «Internierte» bezeichnet wurden. Während die meisten Franzosen 1941 nach Frankreich zurückkehren konnten, mussten die Polen bis zum Ende des Krieges bleiben. Während dieser Zeit wurden die unbewaffneten Soldaten auf Bauernhöfe und in Lager geschickt, wo sie Straßen und Brücken bauen, Wälder pflegen und Eisenbahnschienen verlegen mussten, aber sie haben auch viel zur Entwicklung der Landwirtschaft beigetragen (Arbeitskräfte und Schaffung neuer landwirtschaftlicher Flächen) in Kriegszeiten, als Importe schwierig waren.
Oben am Stöcklichrüz angekommen, wartet die ultimative Belohnung: ein toller Blick auf den Zürichsee! Ehrlich gesagt hatten wir diese Wanderung nicht extra geplant und waren echt überrascht, hier so einen schönen Aussichtspunkt zu finden. (Eigentlich ist die Gegend in der Region ziemlich bekannt und für die Leute aus der Umgebung sicher kein Geheimtipp, aber wir hatten vorher noch nie davon gehört und sind einfach drauf losgelaufen, ohne zu wissen, was uns erwartet!)





Zurück nach Willerzell über einen „vergessenen” Weg
Es war bestimmt schon 12 Uhr, als wir noch oben auf dem Stöcklichrüz waren. Nach unserer „offiziellen” Route (die wir am Abend davor schnell zusammengestellt hatten) hatten wir noch ungefähr 8 km bis zum Auto vor uns. Das Problem? Unser Termin am Nachmittag war um 15 Uhr und wir lagen eindeutig nicht gut in der Zeit.
Kurz gesagt, wir haben unsere Handys geholt, maps.me aufgemacht und den direktesten Weg zum Parkplatz gesucht. 5 km statt 8 km, das klang doch gut! 🙂

Ich kann euch beruhigen, der Abstieg war echt okay, auch wenn wir schnell gemerkt haben, dass dieser Weg, der zwar auf den topografischen Karten eingezeichnet war, nicht wirklich markiert oder gepflegt war. Es scheint aber, dass er ab und zu von den Einheimischen benutzt wird, denn es gab ein paar „frische” Fußspuren im Schlamm (mit diesem Satz klinge ich wie ein Trapper in Alaska, haha). Wie auch immer, unser Weg zum Seeufer war etwas steiler und wahrscheinlich ein bisschen freestyle-mäßiger als die offiziell markierten Wege. Du siehst es auf der Karte unten, aber wir haben die offizielle Variante dort eingetragen (wenn du nicht so in Eile bist wie wir, könnte das eine Option sein 😉 ).
Die letzten Kilometer der Wanderung gehen entlang der kleinen Straße, die um den See führt. Ich gebe zu, dass ich kein großer Fan von Straßenabschnitten beim Wandern bin, aber hier ist es echt okay! Zum einen ist die Straße nicht so voll und vor allem ist die Aussicht echt nicht schlecht.


Karte und praktische Infos für den Spaziergang
- Distanz: 10,5 km (kurze Version) oder 13 km für die lange Version
- Höhenunterschied: ca. 450 m (+ und -)
- Schwierigkeitsgrad: einfache Wanderung
- Start und Ziel: Kostenloser Parkplatz am Sihlsee. Gib einfach „Camping Grüene Aff” in Google Maps ein, um ihn zu finden. Bushaltestelle „Willerzell, Grüene Aff” der Linie 552.
- Gelände: Ein Teil der Wanderung geht über die Straße. Aber die Straße ist nicht so stark befahren und vor allem echt schön. Trotzdem solltest du auf diesem Abschnitt vorsichtig sein.
Karte der Wanderung vom Sihlsee zum Stöcklichrüz:

Hinweise: Die rote Route ist die, die wir genommen haben. Die gelbe wäre die längere Variante, folgt aber den markierten Wegen. Wenn du Zeit hast, empfehlen wir dir eher die gelbe Route, weil die Aussicht auf den Zürichsee in Richtung Egg echt schön sein soll. Mach dir keine Gedanken über den Höhenunterschied auf der Karte, die rote und die gelbe Route sind zusammengeführt, in Wirklichkeit gibt es nur einen Aufstieg und dann einen Abstieg (je nach gewählter Option mehr oder weniger steil).
Das war’s schon mit diesem schönen Panorama-Spaziergang über dem Zürichsee. Bis bald zu weiteren Spaziergängen in der Schweiz!
Diesen Beitrag merken







nimmt an der Diskussion teil