Neuer Beitrag über unsere Wanderung entlang des Jura-Höhenweg! Diesen Sommer haben wir uns gedacht, wir zeigen euch unsere Lieblingsabschnitte dieser tollen Wanderung durch die Schweiz. Wir wissen nämlich, dass viele keine zwei Wochen Zeit haben, um die ganze Route auf einmal zu machen, aber gerne schöne Tages- oder Wochenendausflüge machen würden. 😉 Heute schauen wir uns eine Ecke der Schweiz an, die wir vor unserem ersten Besuch vor ein paar Wochen überhaupt nicht kannten: den Chasseral und die Höhen über Biel mit der Taubenlochschlucht.
Hinweis: Wenn du lieber Infos über den gesamten Jura-Kammweg haben möchtest, schau doch mal auf unserer Sonderseite vorbei. Dort findest du die komplette Route, unser Budget sowie praktische Tipps für die Vorbereitung deiner Wanderung.
Die Taubenlochschlucht – ein cooler Abstecher auf dem Jura Höhenweg

Diese Schluchten waren wahrscheinlich die schönste „Überraschung” auf unserer Route. Ich sage bewusst „Überraschung”, weil wir vor unserer Abreise zwar die Route des Jura-Höhenweges recherchiert hatten, aber nicht unbedingt darauf geachtet hatten, was es in der Umgebung gab. Die Taubenlochschlucht ist nicht auf der offiziellen Route, deshalb hatten wir sie nicht wirklich in Betracht gezogen. 😉
Warum wir sie besucht haben, fragst du dich vielleicht? Ich kann dich beruhigen: Es war nicht aus purer Masochismus, dass wir diesen 3 km langen „Umweg” zu unserer Wanderung gemacht haben, die schon über 300 km lang war, sondern einfach, weil unsere Essensvorräte in Frinvillier fast aufgebraucht waren und wir unbedingt einkaufen gehen mussten. Auf der offiziellen Route der Via Jura gibt’s nur wenige Supermärkte, sodass man ab und zu einen Umweg machen muss, um sich einzudecken. Anstatt mit dem Zug oder Bus nach Biel zu fahren, haben wir die Gelegenheit genutzt, um diese wunderschönen Schluchten zu besuchen, die direkt in die Stadt Biel (und zu einem Supermarkt) führen. 😉
Die Wanderung ist echt einfach und es macht keinen großen Unterschied, ob man bergauf oder bergab geht (der Höhenunterschied beträgt weniger als 100 m, sodass die Strecke über 3 km in beide Richtungen echt super leicht zu bewältigen ist). Während der ganzen Wanderung geht’s durch die beeindruckenden Schluchten, die von der Suze ausgehöhlt wurden (ja, ja, die Suze ist hier tatsächlich der Name des Flusses und nicht der berühmte Aperitif, den ältere Leute und Walliser wie Benoit mögen 😉 ).



Karte der Wanderung durch die Taubenlochschlucht + Infos
Keine Sorge, der Weg ist echt einfach zu finden und da wir uns in einer Schlucht befinden, kann man sich echt nicht verlaufen. 😉 Aber damit ihr euch ein Bild von der Entfernung und der Lage in Biel machen könnt, zeigen wir euch trotzdem die Karte:
Beachte, dass du im Artikel einen Button findest, mit dem du alle Wanderrouten direkt in die App AllTrails (die wir täglich nutzen) runterladen kannst. Um das Format deiner Wahl runterzuladen und die Karte auf deinem Smartphone oder deiner Smartwatch dabei zu haben, musst du einfach nur ein kostenloses Konto bei AllTrails erstellen.
Praktische Infos:
- Die Wanderung kann problemlos in beide Richtungen gemacht werden.
- Wenn du nicht hin und zurück laufen willst, kannst du einen Zug oder Bus nach oder von Frinvillier nehmen (Abfahrt vom Bahnhof Biel).
- Der Zugang zu den Schluchten ist kostenlos.
- Der Weg ist echt einfach und perfekt für Familien (es gibt sogar einen Picknickplatz auf halber Strecke).
- Entfernung: ca. 3 km pro Strecke, wenn man bis zum Bahnhof Frinvillier geht (6 km hin und zurück).
- Dauer der Tour: Rechne mit 45 Minuten bis 1 Stunde, wenn du dir Zeit lässt.
Frinvillier und das ungewöhnliche Hotel de la Truite
Nach unserem kleinen Ausflug nach Biel zum Einkaufen sind wir zurück nach Frinvillier gefahren, um zu duschen und uns einen entspannten Abend zu gönnen. Wir reden in unserem Blog nicht oft über Unterkünfte, aber ich finde, das Hotel de la Truite hat ein paar Zeilen verdient. 🙂
Wir mussten dringend duschen und ein bisschen Wäsche waschen. Da wir wussten, dass es schwierig sein würde, in der Nähe von Frinvillier zu zelten, haben wir uns am Vortag nach einer Unterkunft umgesehen. Schnell war klar: In Frinvillier gibt’s nur das Hotel de la Truite und sonst nichts! Als wir die Online-Bewertungen gelesen haben, haben wir uns ehrlich gesagt ein bisschen gefürchtet und überlegt, lieber in Biel zu übernachten… Mit einer Durchschnittsbewertung von 2,5 auf TripAdvisor und Google wussten wir nicht so recht, was uns erwarten würde.


Also, ich sag dir eins: Dieses Hotel wird sicher in die Geschichte eingehen. Von außen sieht das Gebäude echt ziemlich verlassen aus, das „Restaurant” ist eher wie ein Lagerraum und man sieht klar, dass hier schon lange keine Mahlzeiten mehr serviert wurden… Nicht gerade beruhigt durch den äußeren Eindruck klopften wir an die Tür. Wir wurden von der absolut liebenswerten Besitzerin empfangen! Soweit wir sehen konnten, schien sie das Hotel alleine zu führen, und ja, das Gebäude und das Restaurant hätten eindeutig eine Renovierung nötig… Aber dafür waren die Zimmer makellos sauber, die Betten bequem und die Dusche schön heiß! Wenn du also nach einem romantischen Ziel für ein Wochenende suchst, solltest du vielleicht lieber woanders hingehen, aber wenn du wie wir Wanderer bist, die ein gutes Bett und eine Dusche suchen, lass dich von den Bewertungen nicht abschrecken. 😉 (Ich habe ihr übrigens 4 Sterne auf TripAdvisor gegeben, um ihren Durchschnitt ein wenig zu verbessern, haha). Die Übernachtung dort hat uns 104 CHF für 2 Personen inklusive Frühstück gekostet. Das ist zwar immer noch teuer, aber leider wird es in Biel noch teurer…
Wanderung von Frinvillier zum Chasseral
Am nächsten Morgen ging’s richtig los! Als wir unsere Wanderung geplant hatten, war uns aufgefallen, dass diese Etappe den größten Höhenunterschied hatte: genau gesagt 1350 m Aufstieg. Das ist nicht so viel, wenn man an die Alpen gewöhnt ist, aber für die Jura-Bergkette ist das schon ganz ordentlich… 😉
Wenn man von Frinvillier aus startet, hat man kaum Zeit, das Hotel zu verlassen, da ist man schon mittendrin. Die ersten 500 Höhenmeter sind schon auf den ersten 3 Kilometern drauf (die restlichen 800 verteilen sich auf fast 15 km)! Aber ich weiß nicht, ich habe steile Anstiege immer gemocht (vor allem am Anfang des Tages). Das hat den Vorteil, dass es hilft, den Körper in Schwung zu bringen, und vor allem, dass es den Rest des Programms viel angenehmer erscheinen lässt. 😉


Nach diesem ersten „Ansturm” geht’s langsam bergauf durch die Weiden. Der Weg ist breit und die Aussicht ist echt cool. Je näher wir dem Gipfel und der Telekommunikationsantenne kommen, desto besser wird die Aussicht. Es ist lustig, denn diese Antenne ist fast schon zu einer Attraktion geworden, aber ich persönlich finde sie trotzdem ziemlich hässlich (sorry, wenn ich damit vielleicht einige beleidige). 😉


Wenn man zum Chasseral kommt, dann wahrscheinlich nicht, um eine Dosis Wellen zu tanken, sondern um das unglaubliche Panorama zu genießen. Bei klarem Wetter sieht man super weit: vom Säntis bis zum Mont-Blanc, über den Schwarzwald und die Vogesen.
Manchmal hört man, dass der Chasseral der „Höchste Gipfel des Schweizer Jura“ ist, aber mit seinen 1606,2 Metern ist er eigentlich nur der viert höchste! Der Mont Tendre (1679 m) ist der höchste, dicht gefolgt von der Dôle (1677 m). Der Chasseral steht auf dem vierten Platz, weil der Chasseron mit 1606,6 m ganze 40 Zentimeter höher ist (natürlich gibt’s manchmal Diskussionen darüber, wer den dritten Platz belegt). 😉


Karte der Etappe Frinvillier – Le Chasseral + Infos
Die Etappe zwischen Frinvillier und Chasseral ist ungefähr 18 bis 21 km lang (je nachdem, wo du übernachtest). Um den Gipfel zu erreichen, musst du mit gut 5 Stunden Wanderzeit rechnen. Technisch gesehen ist die Etappe nicht schwierig; der erste Teil ist definitiv der steilste, aber es gibt keine ausgesetzten Stellen.
Restaurant Chasseral und Biwak
Als wir am Chasseral ankamen, haben wir erst mal die Aussicht unter der Antenne genossen und sind dann zum Restaurant (das auch ein Hotel ist) gegangen. Zu diesem Zeitpunkt waren wir uns noch nicht ganz sicher, ob wir dort übernachten oder nur einen Kaffee trinken wollten… Das Wetter versprach strahlend zu werden und wir wussten, dass dies sicherlich unser letzter milder Abend für eine Weile sein würde. Die Idee, ein Biwak aufzuschlagen, schwirrte uns also schon im Kopf herum. 😉

Im Restaurant angekommen, waren wir uns einig. Das Chasseral hat eine wunderschöne Terrasse mit einem tollen Panorama, aber ehrlich gesagt ist das auch schon alles. Es ist kein „charmantes” Alm- oder Bergrestaurant, wenn ich das so sagen darf, sondern eher ein Selbstbedienungsrestaurant, das möglichst viele Leute bedienen soll. Die Preise sind ziemlich hoch und der Empfang ist weit entfernt von dem einer netten kleinen Gaststätte. Vielleicht hatten wir an diesem Tag einfach Pech, aber die Preise für Getränke und die kostenpflichtigen Toiletten, sogar für Gäste, sowie die Wasserhähne, an denen man keine Trinkflasche auffüllen konnte, haben uns ein bisschen abgeschreckt.

Da wir nicht unbedingt dort übernachten wollen, beschließen wir, ein Stück weiterzugehen und einen Platz zum Zelten zu suchen. Aber Vorsicht, in der Region gibt es viele Naturschutzgebiete, und man darf nicht überall zelten! Wir empfehlen euch, euch an den vor Ort vorhandenen Karten sowie an der offiziellen Karte der Schutzgebiete zu orientieren, die ihr hier findet.
Mehr Infos zum Biwakieren und zu den Regeln in der Schweiz findest du in unserem speziellen Biwak-Dossier.
Wir hatten einen super Abend mit einem mega Sonnenuntergang und sogar ein paar Gämsen, die uns besucht haben!




Vom Chasseral zur “Vue des Alpes”
Wenn man den Chasseral verlässt, geht der offizielle Weg über die Jurakämme gleich rechts runter in Richtung Combe Biosse. Wir waren total fasziniert vom Kamm und haben zugegeben, dass wir uns verlaufen haben, aber am Ende waren wir echt froh über diesen kleinen „Fehler”. Der Kammweg, der in Richtung Metairie de l’Isle hinunterführt, ist atemberaubend, und kurz vor dem Bauernhof kann man nach rechts abbiegen und ohne Probleme auf den „offiziellen Weg” zurückkehren.

Sobald wir wieder auf dem Weg sind, kommen wir in ein Naturschutzgebiet namens Combe Biosse. Wir haben uns sofort in diese Combe verliebt, die eher einem Zauberwald aus einem Märchenbuch ähnelt als dem Bild, das man sich von einem Wald im Jura macht. 🙂 Das Naturschutzgebiet ist nicht riesig (4 km²), aber es ist einer dieser Orte, an denen man gerne etwas länger verweilt!



Nach der Schlucht kamen wir in dem kleinen Dorf Le Pâquier an, wo wir insgeheim hofften, eine kleine Terrasse für ein Stück Kuchen und einen Kaffee zu finden. Leider hatten an dem Tag, an dem wir dort waren, alle Berggasthöfe und Gasthäuser geschlossen… In Le Pâquier haben wir leider auch den Dorfbrunnen verpasst (wir haben unseren Fehler erst bemerkt, als wir das Dorf schon passiert hatten).

Zum Glück gibt’s auf einem Bauernhof kurz vor dem Aufstieg zum Mont Amin Wasser für Wanderer (mit einer kleinen Spardose, falls man sich für die Geste bedanken will). Ist schon komisch, aber solche netten Gesten sind leider echt selten… Wir waren echt überrascht, dass auf der Strecke viele Hütten oder Häuser die Wasserhähne an ihren Wasseranschlüssen außerhalb des Gebäudes entfernt haben, um zu verhindern, dass sich jemand bedient. Natürlich muss der Wanderer vorausschauend sein und dafür sorgen, dass er Wasser dabei hat, aber dieser Punkt hat uns dennoch ein wenig überrascht, um nicht zu sagen schockiert. Ich kann mir vorstellen, dass es Fälle von Missbrauch gab oder dass einige Leute die Wasserhähne offen gelassen haben… Wer weiß…
Der Aufstieg zum Mont Amin fängt mit einem ziemlich steilen ersten Abschnitt an, dann geht’s über einen sanften Kamm bis zum Gipfel. Die Aussicht ist echt super, aber leider war das auch der Ort, an dem wir das Gewitter auf uns zukommen sahen. Wir saßen auf einem Baumstamm und machten ein Picknick, hatten also einen super Blick auf die schwarzen Wolken, die auf uns zukamen.


Da wir nicht besonders motiviert waren, zu duschen, haben wir unsere Pause verkürzt und uns entschlossen auf den Weg zu unserem Hotel für die Nacht gemacht. Wir waren ziemlich müde und haben es nicht geschafft zu laufen (okay… vor allem ich). Wir hatten noch etwa einen Kilometer vor uns, als die ersten Tropfen fielen. Zu diesem Zeitpunkt dachten wir noch naiv, dass wir rechtzeitig ankommen würden, um dem Regenschauer zu entkommen. Spoiler-Alarm: 300 Meter vor dem Hotel verwandelte sich der leichte Regen in einen sintflutartigen Regenguss mit sogar Hagel!!! Wir beendeten die Etappe im Laufschritt und kamen von Kopf bis Fuß durchnässt im Hotel „La Vue des Alpes” an. Unnötig zu sagen, dass wir an diesem Abend unsere kleine Nacht in der Wärme und Trockenheit umso mehr genossen haben!

Das Hotel de la Vue des Alpes ist übrigens eine super Adresse auf dem Weg über die Jurakämme! Das Essen ist echt lecker und die Zimmer sind super gemütlich (wir hatten die Standardoption mit Bad auf der Etage genommen und es war tip top). Die Preise pro Nacht gehen von 46 CHF pro Person im Schlafsaal über 110 CHF für ein Standard-Doppelzimmer (das wir genommen haben) bis zu 140 CHF für ein Komfort-Doppelzimmer, inklusive Frühstück. Wir haben sogar zwei Nächte dort verbracht, um den schlimmsten Regen abzuwarten und uns ein bisschen auszuruhen.
Karte der Etappe Chasseral – Vue des Alpes + Infos
Die Etappe zwischen Chasseral und Vue des Alpes ist ungefähr 19 km lang, mit etwa 700 m Höhenunterschied nach oben und 1000 m nach unten. Unsere Favoriten auf dieser Strecke waren definitiv der Kamm, der vom Chasseral wegführt, die Combe Biosse und die Aussicht vom Mont Amin.
Karte der Etappe:
Wenn du nach weiteren Ideen für Wanderungen und Aktivitäten in der Schweiz suchst, solltest du dir unser neues E-Book nicht entgehen lassen. Dieser 75-seitige Reiseführer, der im Mai 2025 erschienen ist, enthält alle unsere besten Tipps und Tricks, um unser geliebtes kleines Land zu besuchen, ohne dabei dein Budget zu sprengen. Du findest darin Tipps zu Transport, Unterkünften und Einkaufsmöglichkeiten, aber auch eine Liste mit kostenlosen Aktivitäten und Veranstaltungen zu jeder Jahreszeit sowie unsere Lieblingsaussichtspunkte und Wanderungen. Am Ende des Reiseführers haben wir außerdem eine Auswahl an ungewöhnlichen Routen abseits der ausgetretenen Pfade (+ dazugehöriges Budget) zusammengestellt. Ein super umfassender Reiseführer mit einer tollen interaktiven Karte, auf der du über 500 Adressen und Tipps findest (und über 100 Wanderrouten im ganzen Land, jeweils mit einem Link zu einem ausführlichen Artikel und/oder der GPX-Route zum Herunterladen).

Mehr Infos zum E-Book und zur interaktiven Karte findest du in diesem Artikel.
Via Jura: im Video
Wenn du unsere Abenteuer diesen Frühling auf Instagram verfolgt hast, hast du bestimmt unsere erste große Wanderung des Jahres nicht verpasst: den Jurakammweg. Für alle, die unsere Stories nicht gesehen haben oder sie noch mal anschauen wollen, haben wir auf YouTube alle unsere Instagram-Stories und ein Abschlussvideo in einer Playlist zusammengestellt. Du kannst sie dir auch hier unten ansehen:
Hinweis: Dieser Artikel hat Affiliate-Links zu Hotels. Das heißt, wenn du über unsere Links eine Unterkunft buchst, kriegen wir eine kleine Provision. Alle Unterkünfte, die verlinkt sind, sind die, in denen wir während unserer Wanderung übernachtet haben. Die ganze Reise war privat und wurde von uns selbst bezahlt.
Diesen Beitrag merken






nimmt an der Diskussion teil