Nach unserem ersten Stopp im Bierzo in Las Meludas und Ponferrada setzen wir unseren Roadtrip unweit davon im kleinen Dorf Peñalba de Santiago und in der hübschen Stadt Astorga fort. Die Provinz León ist wahrscheinlich nicht die bekannteste in Spanien, und wir müssen zugeben, dass viele Landschaften für uns eine echte Überraschung waren! Wollen wir euch mehr darüber erzählen?

Peñalba de Santiago: eines der schönsten Dörfer Spaniens
Im Anceu Coliving haben wir zum allerersten Mal von Peñalba de Santiago gehört … Angela, die Nachbarin aus dem Coliving, lebt einen Teil des Jahres in Galicien und den anderen Teil in Peñalba de Santiago. Mehrere Monate lang erzählte sie uns von „ihrem wunderschönen Dorf in den Bergen“, und Agustin, der Leiter des Colivings und gebürtiger Spanier, vertraute uns an, dass er zwar noch nie dort gewesen sei, dieses Dorf aber Gerüchten zufolge tatsächlich eines der schönsten Spaniens sei…
Peñalba de Santiago hat in den letzten Jahren an Beliebtheit gewonnen, seit es offiziell dem Verein „Die schönsten Dörfer Spaniens“ beigetreten ist (ein Verein, der nach dem gleichen Prinzip wie sein französisches Pendant funktioniert).



Dieses winzige Dorf liegt auf 1100 m Höhe, etwa 25 Kilometer von Ponferrada entfernt (vom Dorf aus braucht man 40 Minuten mit dem Auto, um zum nächsten Supermarkt zu kommen!!!). Die Einwohnerzahl? Zwischen 14 und 21 Einwohnern (das hängt davon ab, welche Quellen man heranzieht, haha)
Kurz gesagt, du ahnst es schon: Das Dorf ist nicht gerade für seine Lebendigkeit und seine wilden Partys bekannt. 😉 Nein! Peñalba de Santiago ist für zwei Dinge bekannt:
- Die absolut außergewöhnliche Lage tief im wunderschönen Tal der Stille und der Blick auf die Berge
- Der Erhaltungszustand der Häuser: Hier sind alle Häuser aus Stein gebaut, mit Holzbalkonen und Schieferdächern. Der Ort ist einfach zauberhaft!






Wie kommst du nach Peñalba de Santiago und wo kannst du übernachten?
Als wir angefangen haben, uns über einen Besuch im Dorf zu informieren, ist mir eine Sache besonders aufgefallen … Die Online-Bewertungen zur Anfahrt! Alle waren sich einig: Das Dorf ist einen Besuch wert, aber die Anfahrt schien so manchem schon ganz schön Schweißausbrüche bereitet zu haben.

Ursprünglich war Peñalba nur über die kurvenreiche Straße zu erreichen, die das Tal der Stille hinaufführt. Diese Straße gilt zwar als wunderschön, ist aber auch SEHR schmal (an vielen Stellen kann man sich unmöglich begegnen) und vor allem sehr anfällig für Hochwasser und Erdrutsche.
Vor kurzem wurde aufgrund der wiedergewonnenen Beliebtheit des Ortes eine zweite Straße angelegt (sie gab es zwar schon vorher, wurde aber gerade asphaltiert, was die Anfahrt erheblich erleichtert). Diese Straße führt vom sogenannten „Alto de Cruz“ aus in einer Reihe von Serpentinen (steil) hinunter.

Mit unserem Van wollten wir auf Nummer sicher gehen und haben uns für die zweite Option entschieden (unten findet ihr eine Karte, auf der beide Optionen eingezeichnet sind).
Vor kurzem hat die Gemeinde außerdem drei große Parkplätze am Dorfeingang angelegt. Übrigens darf man mit dem Auto nicht ins Zentrum fahren, es sei denn, man wohnt dort (aber ganz ehrlich, wenn man sieht, wie eng die Gassen sind, schwöre ich dir, dass man sich da gar nicht erst hineinwagen möchte).
Wir haben sogar einen der Parkplätze genutzt, um dort am Abend vor unserem Besuch zu übernachten.

Wenn du keinen Van hast und hier übernachten möchtest, gibt es derzeit zwei Ferienunterkünfte im Dorf: Casa Turpesa (ca. 100 € pro Nacht, 3 Personen) und Casa Mozarabe (ca. 200 € pro Nacht, 6 Personen).
Derzeit gibt es keine Busverbindung nach Peñalba de Santiago. Wenn du kein eigenes Auto hast, kannst du versuchen, einen Mietwagen zu buchen, indem du die Preise auf Rentalcars vergleichst.
Beachte, dass – wie so oft – die Preise umso günstiger sind, je größer die Stadt ist, in der du mietest.
Wenn du für deinen Aufenthalt lieber einen ausgebauten Van mieten möchtest, empfehlen wir dir wie immer, mal bei Yescapa vorbeizuschauen. Wenn du mehr Infos zur Wohnmobilvermietung und den verschiedenen Mietoptionen in Europa haben möchtest (von Privat an Privat oder über professionelle Anbieter), dann schau doch mal in unserem Sonderartikel zum Thema Wohnmobil- und Transportervermietung vorbei.
Wanderung rund um Peñalba de Santiago
Wer einen Ausflug in die Berge sagt, meint damit natürlich Wandern! 😉 Na ja, ausnahmsweise haben wir uns mal nicht auf eine große Tour begeben, sondern eher einen kleinen, gemütlichen Spaziergang gemacht, den man an einem halben Tag schaffen kann.
Aufstieg zur Höhle von San Genadio

Die kleine „klassische“ Wanderung von Peñalba führt zur Höhle von San Genadio. Die Strecke ist knapp 2 km lang und absolut unkompliziert. Vom Dorf aus weisen Wegweiser die Richtung, aber du wirst sehen, es ist wirklich kein Problem.
Zuerst geht’s hinunter ins Tal des Schweigens, bis man den Arroyo del Aro erreicht (ein Bach, der sich mit dem Arroyo del Silencio vereinigt und so den Río Oza bildet, der dann das Tal hinunter bis nach Ponferrada fließt). Ab der ersten kleinen Brücke führt der Weg recht sanft bergauf in Richtung des Arroyo del Silencio. Kurz nach der zweiten Flussüberquerung kommst du an eine Weggabelung, an der du rechts abbiegen musst, um zur Höhle San Genadio zu gelangen.



Nach 2 km erreichst du die Höhle San Genadio. Sie ist nach einem ehemaligen Bischof der Diözese Astorga benannt, der maßgeblich zur Wiederbesiedlung des Bierzo beigetragen hat, indem er dort um das Jahr 900 zahlreiche Klöster gründete. Der Bischof soll sich in dieser Höhle, die das Tal des Schweigens überragt, zu spirituellen Exerzitien zurückgezogen haben.
Übrigens geht es Gerüchten zufolge so, dass das Tal seinen Namen diesem Heiligen zu verdanken hat – oder „wegen“ ihm. Man sagt, dass dort früher mal ein großer Fluss geflossen sei. Das Rauschen des Wassers hinderte den Heiligen daran, richtig zu meditieren. Vom Lärm genervt soll er ins Tal gerufen haben: „Ruhe!“ In diesem Moment soll sich das Wasser vor der Höhle zurückgezogen haben, um erst weiter unten im Tal wieder hervorzuströmen. 😉
Die Höhle an sich ist nichts Besonderes, aber der Ausblick ist echt toll!



Der Wasserfall der Stille (Cascada del Silencio)
Von der Höhle aus haben wir uns dann entschlossen, noch ein Stück weiter hinaufzusteigen, um den Wasserfall „Cascada del Silencio“ zu erreichen. Es sind nur 800 m Entfernung und etwa 150 m zusätzlicher Höhenunterschied – es wäre also wirklich schade, diesen kleinen Abstecher nicht zu machen. Der Weg führt größtenteils durch den Wald und der Aufstieg ist wirklich angenehm, ganz ohne Schwierigkeiten.



Der Wasserfall an sich ist zwar nicht mit den Niagarafällen zu vergleichen (wir wollen dich ja nicht anlügen), aber es ist trotzdem eine sehr schöne Gegend! Ideal für eine Picknickpause in der kühlen Luft oder um sich ein bisschen die Füße nass zu machen. 😉

Zurück nach Peñalba de Santiago
Für den Rückweg ins Dorf gibt’s vom Wasserfall aus zwei Möglichkeiten:
- Die kurze Variante: Geh einfach den Weg zurück bis zu einer Abzweigung, an der du schon vorbeigekommen bist, und bieg dort rechts ab, um ins Dorf zurückzukommen
- Unter dem Wasserfall hindurchgehen und weiter bergauf steigen, um über das andere Tal zurück ins Dorf zu gelangen


Die zweite Option schien landschaftlich reizvoller zu sein, aber ausnahmsweise mal hatten wir keine große Lust, weiter bergauf zu gehen (ein akuter Anfall von Faulheit, seien wir ehrlich). Kurz gesagt, wir haben uns für die kürzeste Variante entschieden. Wenn du die Wanderung aber verlängern möchtest, kannst du die Route ganz einfach auf der Karte unten nachsehen.
Karte und Infos zur Wanderung in Peñalba de Santiago
Unsere Wanderung in Peñalba war 7 km lang und hatte etwa 360 Höhenmeter. Insgesamt haben wir für die Wanderung etwa 2 ½ bis 3 Stunden gebraucht (mit vielen Fotopausen).
Die Bergstraße zwischen El Bierzo und Astorga
Nach dieser kleinen Auszeit in Peñalba de Santiago, wo die Zeit still zu stehen schien, haben wir beschlossen, weiterzufahren und uns Astorga mal anzuschauen. Vom Dorf aus wäre es am naheliegendsten gewesen, wieder hinunter nach Ponferrada zu fahren und dann auf die Autobahn zu wechseln…
Hmm… wie soll ich dir erklären, dass wir, als wir am Vortag am Alto de Cruz ankamen und die Straße sahen, die weiter in Richtung Berge führte, total neugierig wurden! 😉 Es kommt ja nicht jeden Tag vor, dass man eine große Straße nehmen kann, die über Pässe mit mehr als 2000 m führt.

Ist das also der schnellste Weg? Nein, ganz klar nicht! Rechne mit 30 bis 40 Minuten zusätzlicher Fahrzeit… Aber lohnt es sich? Ja, auf jeden Fall!!! Urteile selbst:




Ein kleiner Rundgang durch Astorga und sein Bischofspalast
Bevor wir die Gegend um Ponferrada verließen, haben wir noch einen letzten kleinen Zwischenstopp in der Stadt Astorga eingelegt. Astorga ist bekannt als der Ort, an dem die Via de la Plata auf den Camino Francés trifft (zwei berühmte Routen des Jakobswegs), und berühmt für zwei Baudenkmäler von absolut außergewöhnlicher Architektur sowie für seine Geschichte, die mehr als zwei Jahrtausende zurückreicht!
Wir sind leider zu spät gekommen, aber ihr solltet wissen, dass es jeden Tag (außer mittwochs) um 11 Uhr eine kostenlose Stadtführung gibt. Die Führung findet ausschließlich auf Spanisch statt und dauert 1 Stunde und 15 Minuten. Dabei machst du einen Rundgang durch die Altstadt von Astorga und erfährst vor allem ein bisschen mehr über die Geschichte der Stadt. Die Tour ist kostenlos und wird durch Trinkgelder finanziert. Wenn du Spanisch sprichst und zur richtigen Zeit da bist, empfehlen wir dir auf jeden Fall, an dieser kostenlosen Führung teilzunehmen!
Gaudís Bischofspalast
Der vom weltberühmten katalanischen Architekten Antoni Gaudí entworfene Bischofspalast von Astorga sieht aus, als käme er direkt aus einem Märchenbuch! Eigentlich ist es schon lustig, denn der Kontrast zwischen dem Inneren und dem Äußeren des Palasts ist wirklich frappierend… Von außen sieht er ein bisschen wie ein neugotisches Schloss aus, während man drinnen das Gefühl hat, in einer Kirche gelandet zu sein.

Der Bischofspalast von Astorga ist übrigens eines der wenigen Werke Gaudís, die außerhalb Kataloniens liegen (es gibt zwar noch andere, aber kaum welche von dieser Größenordnung!).

Heute ist der Palast auch dafür bekannt, dass er ein Museum beherbergt, das dem berühmten Jakobsweg und seinen Pilgern gewidmet ist. In den Sälen entdeckst du Gaudís ausgefallene Architektur und erfährst gleichzeitig mehr über den berühmten Pilgerweg (zahlreiche Schautafeln erklären die Geschichte der Caminos, die verschiedenen Routen usw.). Insgesamt solltest du etwa 1,5 Stunden für den Besuch einplanen, der Eintritt kostet 6 € (5 €, wenn du Pilger bist). 😉 Ehrlich gesagt, dieser Besuch lohnt sich wirklich, wenn du in der Gegend bist!!!





Die Kathedrale Santa Maria
Die Kathedrale Santa Maria aus dem 15. Jahrhundert liegt direkt gegenüber dem Bischofspalast und wird dir bestimmt ins Auge fallen! Sie wurde in einer Mischung aus Gotik, Barock und Renaissance erbaut und überrascht schon auf den ersten Blick. Tatsächlich fällt einem ziemlich schnell auf, dass die beiden Türme überhaupt nicht dieselbe Farbe haben!

Diese kleine Besonderheit rührt daher, dass einer der Türme nach einem Erdbeben im 18. Jahrhundert eingestürzt ist. Er wurde zwar inzwischen wieder aufgebaut, hat aber eine etwas andere Farbe als sein Nachbar behalten. 😉

Man kann sie besichtigen, aber denk daran, dass der Eintritt kostenpflichtig ist. Der Eintritt kostet 6 € und beinhaltet einen Audioguide. Für den Rundgang solltest du etwa 50 Minuten einplanen.
Nach unserem Besuch im Bischofspalast hatten wir beschlossen, unsere Reise in Richtung der Berge im Norden der Region fortzusetzen, und haben daher beschlossen, das Innere auszulassen. Wir haben uns lediglich kurz vor dem beeindruckenden Portal aufgehalten, das mit zahlreichen pflanzlichen und religiösen Motiven verziert ist.
Nach diesem kurzen Zwischenstopp in Astorga sind wir weiter in Richtung Norden von Kastilien und León gefahren, einer bergigeren und wilderen Region, wo uns Höhlen, Wasserfälle, Seen und der südliche Teil der Picos de Europa erwarteten… Hier kannst du übrigens die Fortsetzung unserer Abenteuer im Norden der Provinz León nachlesen.
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