Bei unserem ersten Besuch in Málaga im Jahr 2019 hatten wir uns für eine Wanderung auf dem Caminito del Rey entschieden. Aus Zeitmangel hatten wir es nicht in den Naturpark El Torcal de Antequera geschafft, und schon damals hatten wir uns geschworen, wiederzukommen! Anfang 2022 waren wir wieder in Andalusien und dieses Mal konnten wir uns das auf keinen Fall entgehen lassen; dieser Ort hatte uns schon so lange gereizt, dass wir einfach nur begeistert waren, ihn endlich entdecken zu können.
El Torcal de Antequera: Vorstellung
Es gibt solche Orte, an denen man sich ein bisschen fragt, was in der Geschichte unseres schönen Planeten wohl passiert sein mag, dass solche Ecken entstanden sind! Ich weiß es nicht, aber mich persönlich haben Karstlandschaften schon immer beeindruckt … und man kann zumindest sagen, dass der Torcal de Antequera definitiv ein Muss ist, wenn du nach Andalusien kommst (natürlich nur unsere bescheidene Meinung). 😉

Um zu verstehen, was hier passiert ist, muss man eigentlich ein bisschen (oder eher ganz schön) in der Zeit zurückgehen… Vor 150 Millionen Jahren lag diese Region unter Wasser. Im Tertiär hat die Bewegung der tektonischen Platten dieses kleine Gebirgsmassiv quasi mitten ins Herz des heutigen Andalusiens „herausgedrückt“. Im Laufe der Jahrhunderte hat die Karsterosion ihr Werk verrichtet und diese Landschaft geformt, die aussieht, als stamme sie direkt aus dem Jura!
Und das ist übrigens lustig, denn auch wenn es schwer vorstellbar ist, dass das alles mal unter Wasser lag (wir sind immerhin auf über 1200 m Höhe), so zeugen doch mehrere Ammoniten-Fossilien von dieser unter Wasser liegenden Vergangenheit.


Das aktuelle Gelände erstreckt sich über eine Fläche von 20 km² und scheint buchstäblich aus dem Nichts entstanden zu sein!
Unsere Wanderung zu den schönsten Aussichtspunkten von El Torcal
Wir kamen pünktlich um 10 Uhr auf dem Parkplatz des Besucherzentrums an und beschlossen, die Wanderung in Richtung „El Tornillo“ zu beginnen – oder sollte ich eher sagen: in Richtung des Parkbereichs, den wir „Pancake-Land“ nennen werden. 😉 Es ist verrückt – kaum hatten wir den Parkplatz verlassen, befanden wir uns schon mitten in diesen surrealistischen Landschaften!
Nur 100 m weiter – genau dort sind wir übrigens unseren ersten Steinböcken des Tages begegnet. Die haben ihr Leben in vollen Zügen genossen und sind vor den staunenden Augen der Besucher (und auch vor unseren) von Fels zu Fels gesprungen.



Der Sombrero
Von El Tornillo aus sind wir wieder auf die Straße hinaufgestiegen und dann dem alten „roten“ Weg gefolgt. Diese Route ist zwar nicht mehr markiert, aber trotzdem leicht zu finden, da der Pfad wirklich gut erkennbar ist. Nach einem ersten kleinen Aufstieg kamen wir an dem Felsen an, der „Sombrero“ genannt wird. Ich persönlich hätte ihn auch gerne „Pilz“ genannt, aber na ja, das ist wohl eine Frage der Interpretation, schätze ich. Es war übrigens sehr lustig, denn wir waren zu dritt, und als wir uns die verschiedenen Felsformationen ansahen, hatte jeder von uns eine andere Interpretation… Während ich in dem Felsen einen Elefanten sah, fand Benoit, dass er eher wie ein Hund aussah. Kurz gesagt: El Torcal ist ein toller Spielplatz, um die Fantasie anzuregen.
Der Weg zum Sombrero ist wirklich wunderschön. Auf der einen Seite wanderst du mitten durch die Karstformationen, hast aber auch einen atemberaubenden Blick auf die Umgebung. Bei klarem Wetter kannst du in der Ferne sogar die schneebedeckten Gipfel der Sierra Nevada sehen!


Vom „Sombrero“ aus haben wir eine Tour abseits der Wege gestartet, um zum Fuß des Torcal Alto zu gelangen, ohne über die „Corniche du Diable“ zu gehen (diese Passage gilt als ziemlich ausgesetzt und wir wollten uns da nicht hinwagen – na ja… vor allem ich!). Zugegeben, es gibt an dieser Stelle keinen offiziellen Wanderweg, aber wir sind einem gut sichtbaren Pfad gefolgt, und es ist ehrlich gesagt ziemlich schwer, sich da zu verlaufen 😉

Das Tal
Am Ende des Abstiegs gelangt man in eine Art großes Tal. Hier sind die „Pancakes“ einer Art großer Kaminformationen gewichen. Um ehrlich zu sein, haben uns die Landschaften stellenweise sehr an die in Kappadokien erinnert…


Bei km 4,4 unserer Route sind wir auf den „gelb“ markierten Wanderweg des Parks gestoßen. Ab hier kannst du Handy und Karte wegpacken und dich einfach von den Markierungen (und den anderen Leuten) leiten lassen. Denn ja, so sehr wir uns auf dem ersten Teil noch wie allein auf der Welt gefühlt haben, so war diese zweite Hälfte der Wanderung doch ein klein wenig belebter. Aber na ja, eins muss man sagen: Das ist relativ, und vor allem sind die Landschaften so unglaublich, dass man das ganz leicht ausblenden kann!


Kurz bevor wir zum Parkplatz zurückkehrten, haben wir noch ein paar letzte Abstecher zu den verschiedenen Aussichtspunkten gemacht. Puhhh… was für ein wunderschöner Tag! Wir können euch diesen Ausflug nur wärmstens empfehlen, wenn ihr in der Gegend von Málaga seid.
Karte und Infos zu unserer Wanderung im Naturpark Torcal de Antequera
- Entfernung: 7 km
- Höhenunterschied: ca. 200 m (auf- und abwärts)
- Dauer: Rechne mit etwa 3,5 Stunden (das Gelände ist nicht ganz einfach, und vor allem neigt man dazu, ständig anzuhalten, weil es so schön ist) 😉
- Schwierigkeitsgrad: Mittel. Der Abschnitt, der der gelben Route folgt, ist wirklich einfach (siehe die offiziellen Routen am Ende). Der erste Teil ist nicht schwierig, aber wir empfehlen dir, die GPS-Route auf deinem Handy zu haben, um dich an bestimmten Stellen besser orientieren zu können. Die Überquerung nach dem „Pilz“ ist ziemlich schlecht markiert und man kann sich leicht verlaufen. Wichtig: An manchen Stellen gibt es keinen oder nur sehr schlechten Empfang, daher empfehlen wir dir, eine Offline-App zur Hand zu haben. Wir selbst haben das AllTrails+-Abo (über unseren Link bekommst du im ersten Jahr 30 % Rabatt) (Maps.me eignet sich sehr gut dafür, du musst nur die GPX-Datei ins KML-Format konvertieren, um sie zu importieren). Du kannst unsere Route aus AllTrails exportieren (für den Download reicht ein kostenloses Konto aus, das Abonnement brauchst du nur, um Offline-Zugriff zu haben).
Steinböcke im El Torcal de Antequera beobachten
Bei Wildtieren gibt es natürlich nie eine Garantie, aber im El Torcal de Antequera stehen die Chancen trotzdem gut, dass du ein paar Steinböcke und Steinbockweibchen (die Weibchen der Steinböcke) zu Gesicht bekommst. Das ist lustig, denn bei uns sind wir es gewohnt, Steinböcke zu sehen, aber normalerweise muss man dafür in eine gewisse Höhe steigen und vor allem ziemlich unauffällig bleiben… In Andalusien scheinen sie sich anscheinend an eine deutlich geringere Höhe gewöhnt zu haben. Im Torcal de Antequera befindet man sich auf 1200 m, aber wir haben sie schon in tieferen Lagen anderswo in Andalusien gesehen (im Naturgebiet der Acantilados de Maro)… Aber ich glaube, die in Antequera sind die „entspanntesten“ Tiere, wenn Menschen in der Nähe sind.


Es ist ganz einfach: Unsere Anwesenheit interessiert sie absolut NULL! Als wir unsere Runde starteten, sind wir in der Nähe des Naturdenkmals Tornillo auf die ersten Steinböcke gestoßen. Da wir den Hund dabei hatten, war unser erster Reflex, die superkurze Leine zu nehmen und einen guten Abstand zu halten, um sie ein bisschen beobachten zu können. Ich weiß nicht, aber wir hatten irgendwie erwartet, dass sie weglaufen würden, sobald sie uns (und vor allem Winchy) gesehen hätten. Aber nein … überhaupt nicht! Da saßen sie einfach ganz ruhig als Familie da und schauten den Wanderern zu … Nach 10 Minuten haben wir schließlich beschlossen, an ihnen vorbeizugehen, um unsere Wanderung fortzusetzen, und selbst da haben sie sich einfach nicht vom Fleck gerührt.


Während der ganzen Tour hatten wir das Glück, ihnen mehrmals zu begegnen, und jedes Mal war es ein echtes Wunder, sie so lange beobachten zu können
El Torcal de Antequera: Praktische Infos
Wann solltest du kommen? Jahreszeit und Öffnungszeiten
Der Naturpark ist das ganze Jahr über geöffnet und zugänglich. Die Öffnungszeiten des Besucherzentrums sind im Winter von 10 bis 17 Uhr und im Sommer von 10 bis 19 Uhr. Außerdem ist es wichtig, auf das Wetter zu achten! Der Naturpark Torcal liegt etwas abgelegen und ist der höchste Punkt der Region … das bedeutet, dass sich Wolken und Regen gerne dort „festsetzen“. Bevor du losfährst, empfehlen wir dir, die Wettervorhersage für den Park genau zu prüfen (zum Beispiel auf windy.com) und dich nicht nur auf das Wetter in Málaga zu verlassen. Es sind zwar nur 60 km zwischen den beiden Orten, aber das Wetter kann dort ganz anders sein!

Im Sommer kann es dort, obwohl man sich in großer Höhe befindet, extrem heiß werden (es gibt so gut wie keinen Schatten). Wir empfehlen dir daher, lieber zwischen September/Oktober und April/Mai vorbeizukommen. Und denk daran, genug Wasser mitzunehmen, denn unterwegs gibt es keins!


Wie kommt man zum Torcal de Antequera / wo kann man parken?
Der Naturpark El Torcal ist derzeit nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Um dorthin zu gelangen, musst du also entweder mit deinem eigenen Auto anreisen, eine organisierte Tour buchen oder bis nach Antequera fahren und von dort aus ein Taxi nehmen (rechne mit 40 € für die Taxifahrt hin und zurück). Wenn du kein Auto hast, empfehlen wir dir, bei Rentalcars nachzuschauen – von Málaga aus gibt es Mietwagen schon ab 9 € pro Tag, was deutlich günstiger ist als das Taxi oder eine geführte Tour.
Wenn du mit dem Auto anreist, solltest du allerdings wissen, dass der Parkplatz oben (neben dem Besucherzentrum) sehr klein ist. Wir waren mitten im Januar im Park (zugegebenermaßen an einem Samstag bei schönem Wetter), aber als wir um 10 Uhr morgens ankamen, hatten wir Glück und bekamen noch einen der letzten freien Plätze! Sobald der Parkplatz voll ist, wird die Zufahrt gesperrt und die Autos müssen auf dem Parkplatz an der Hauptstraße parken. Vom „unteren“ Parkplatz aus musst du etwa eine Stunde zu Fuß gehen, um zum Besucherzentrum zu gelangen (violette Route unten), oder du nimmst den Shuttlebus (2 € für Hin- und Rückfahrt).
Kurz gesagt: Wenn du oben parken willst, empfehlen wir dir, schon früh am Morgen da zu sein!
Auf eigene Faust oder mit einem Reiseführer?

Wir haben uns entschieden, den Park auf eigene Faust zu erkunden und einfach die Landschaft zu genießen, nachdem wir uns vorher online ein bisschen über die Geschichte des Ortes informiert hatten. Allerdings ist das typischerweise ein Ort, an dem man sich denkt, dass es sicher schön wäre, einen Führer dabei zu haben. Nicht, um den Weg zu finden (die Routen sind wirklich leicht zu folgen), sondern einfach, um ein bisschen mehr über die Geschichte zu erfahren, die diesen Naturort so geprägt hat.
Was die Türme angeht, hast du zwei Möglichkeiten:
- Mach eine Führung mit einem Parkführer: Diese Touren konzentrieren sich wirklich auf Geschichte und Geologie. Es gibt sie zu verschiedenen Themen und sie finden zu festen Terminen statt (auf Englisch oder Spanisch). Die Führungen kosten zwischen 12 € und 15 € pro Person (je nach Dauer). Der Startpunkt ist der Parkplatz am Besucherzentrum (du musst also auf eigene Faust dorthin kommen). Die Führungen findest du auf der offiziellen Website des Parks.
- Mach eine von Civitatis organisierte Tour mit einem französischsprachigen Reiseleiter: Diese Touren starten im Stadtzentrum von Antequera und dauern zwischen 3,5 und 4 Stunden. Hinweis: Wenn du andere Sprachen sprichst (Spanisch oder Englisch), kannst du gerne die Sprache der Website umstellen, um mehr Termine zu sehen. Touren auf Civitatis ansehen

Die offiziellen Wanderrouten im Nationalpark Torcal de Antequera
Wenn du El Torcal de Antequera erkundest, empfehlen wir dir wärmstens, dir ein bisschen Zeit für eine Wanderung einzuplanen! Falls du – anders als wir – keine Lust auf eine große Rundwanderung hast, raten wir dir trotzdem, dir 1–2 Stunden Zeit zu nehmen, um einer der offiziellen Routen des Parks zu folgen.
Im Jahr 2022 gibt es im Naturpark Torcal de Antequera drei offizielle Wanderrouten:
- Die grüne Route: Eine kleine Rundwanderung von 1,5 km. Eine einfache Strecke, die sich gut für die ganze Familie eignet. Rechne mit 45 Minuten für die Runde.
- Die gelbe Route: eine Verlängerung der grünen Route, die insgesamt 3 km lang ist. Rechne mit 1,5 bis 2 Stunden, um die Runde in gemächlichem Tempo zu absolvieren.
- Die violette Route (eigentlich heißt sie „Orange“, aber für meine Karte stand nur „Violett“ zur Auswahl 😉 ): Diese 3,5 km lange Route ist eigentlich der Weg, der den unteren Parkplatz mit dem Besucherzentrum verbindet.
Wenn du dir oben die Karte der Route ansiehst, die wir genommen haben, wirst du sehen, dass es sich eigentlich um eine Kombination aus allen dreien handelt, mit einem zusätzlichen Abstecher zum Sombrero.
Mit deinem Hund den Naturpark El Torcal erkunden

Viele von euch haben uns auf Instagram danach gefragt, und ja, den Park kann man problemlos mit einem Hund besuchen! Wir haben alte Blog-Beiträge gefunden, in denen stand, dass Hunde nur auf bestimmten Wegen erlaubt waren, aber 2022 ist das nicht mehr der Fall. Hunde sind überall erlaubt, unter der einzigen Bedingung, dass sie die ganze Zeit an der Leine bleiben.
Wir hoffen, dass dir dieser kleine Ausflug in die wunderschöne Landschaft des Torcal de Antequera gefallen hat und dass dir unsere Tipps bei der Planung deines Besuchs helfen werden. Zögere nicht, uns einen Kommentar zu hinterlassen, wenn du Fragen hast oder Vorschläge für alternative Routen!
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