Wir sind gerade von einem 6-tägigen Trip in die Region Dents du Midi in unserem geliebten Wallis zurückgekommen! Noch mit leicht schmerzenden Muskeln und, seien wir ehrlich, ein bisschen müde, teilen wir euch unsere ersten Eindrücke von unserem kleinen Ausflug ins Unterwallis mit.
Für uns sind die Dents du Midi vor allem eine Region, die uns am Herzen liegt… Benoit ist am Fuße dieser Berge aufgewachsen und ich habe dort seit meiner Kindheit alle meine Wochenenden verbracht. Übrigens haben wir uns sogar in den Portes du Soleil, in einer Après-Ski-Bar, zum ersten Mal geküsst! 😉 Aber wir sind heute nicht hier, um euch von unseren ersten Liebesabenteuern zu erzählen, die sind schon lange verjährt.
Nein, heute geht’s um die Tour „Dents du Midi“, eine echt coole Wanderung, die man in 2, 3, 4 oder sogar 5 Tagen machen kann. (Ich lasse bewusst die Möglichkeit außer Acht, die Strecke an einem Tag zu bewältigen, da es mir unmöglich erscheint, mehr als 42 km und 6000 Höhenmeter an einem Tag zu schaffen. Aber ja, es gibt durchaus Leute, die zu einer solchen Leistung fähig sind).

- Unser Video von der Tour um die Dents du Midi
- Wo liegen die Dents du Midi und was sind sie?
- Geschichte der Tour des Dents du Midi
- Route der Tour des Dents du Midi (+ Karte)
- Tag 1: Von Barmes (oder Champéry) nach Susanfe
- Tag 2: Von Susanfe über die Haute Cime nach Salanfe
- Tag 3: Von Salanfe nach Mex über den Col du Jorat
- Tag 4: Von Mex nach Anthèmes
- Tag 5: Von der Hütte von Anthème nach Champéry
- Wie viele Tage braucht man für die Umrundung der Dents du Midi?
Unser Video von der Tour um die Dents du Midi
Um zu sehen, wie die Tour „Dents du Midi“ im Video aussieht, klick einfach unten drauf. Alle Infos zur Wanderung findest du weiter unten im Artikel 🙂
Wo liegen die Dents du Midi und was sind sie?
Die Dents du Midi sind eine 3 km lange Bergkette im Walliser Chablais. Früher hießen sie „les Dents de Tsallens“ und bekamen ihren heutigen Namen erst Ende des 19. Jahrhunderts.
Die Dents du Midi sind echt leicht zu erkennen und irgendwie das Wahrzeichen des Unterwallis. Ich bin mit dem Blick auf sie aufgewachsen, aber ich muss zugeben, dass ich nie auf die Idee gekommen bin, mal um sie herumzulaufen (und schon gar nicht, einen der Gipfel zu erklimmen…).
Kleiner Einblick:

Geschichte der Tour des Dents du Midi
Die Tour „Dents du Midi“ wurde 1961 zum ersten Mal ausprobiert und 1962 von einem Mann namens Fernand Jordan ins Leben gerufen. Wir hatten übrigens das Vergnügen, den Sohn des Gründers dieser Tour während unserer Wanderung zu treffen, aber dazu erzählen wir euch mehr in einem anderen Artikel…
Ursprünglich war die Tour des Dents du Midi kein Wanderweg, sondern ein 32,5 km langer Berglauf, der jedes Jahr stattfand. Ich sollte dir gleich sagen, dass sich die Strecke seitdem ziemlich verändert hat. Sie ist jetzt länger, aber vor allem leichter zu bewältigen. 1972 wurde der heutige Wanderweg eröffnet.
Im Sommer 2021 hat uns der Verein „Tour des Dents du Midi“ gebeten, einen kompletten Wanderführer für diese tolle Tour zu machen. Also sind wir wieder auf die Wanderwege der Dents du Midi gegangen, um Fotos zu machen, Notizen zu sammeln und den bestmöglichen Wanderführer zu schreiben, damit ihr euch gut auf die Tour vorbereiten könnt.
In diesem Leitfaden findest du:
- Praktische Tipps: Ausrüstung, Infos zum Biwak, verschiedene Zugänge zur Tour
- Eine detaillierte Beschreibung der offiziellen Etappen (+ Karten)
- Eine Vorstellung der schönsten Varianten, die man zur Strecke hinzufügen kann
- Infos zu den verschiedenen Unterkünften der Tour
- Unsere Vorschläge und Ideen für Routen für alle Schwierigkeitsgrade
- Die GPX-Tracks aller Etappen und Varianten
- Ein Flyer zum Ausdrucken mit der Karte der Tour und allen wichtigen Infos
Achtung : Derzeit ist das eBook nur auf Französisch und Englisch verfügbar.
Route der Tour des Dents du Midi (+ Karte)
Insgesamt ist die Tour des Dents du Midi 42,5 km lang und hat insgesamt 6000 m Höhenunterschied (positiv-negativ), was ungefähr 80 km Anstrengung entspricht (ohne den Aufstieg zur Haute Cime und den Anmarsch von Champéry).
Wenn man die ganze Strecke (mit demit der Haute Cime und den Anstiegen) zusammenrechnet, kommt man auf 59 km und 9000 m Höhenunterschied (positiv-negativ).
Karte der Tour um die Dents du Midi
Für diese Route empfehlen wir dir, die Karte in digitaler Form mitzunehmen. Dazu kannst du die Karte unten auf AllTrails runterladen. Um sie im Format deiner Wahl (GPX, KML, Garmin) runterzuladen, musst du einfach nur ein kostenloses Konto in der App oder auf der Website erstellen. Um kostenlos weiterzumachen, empfehlen wir dir, die Route dann in deine übliche Wander-App zu importieren (z. B. Maps.Me im KML-Format).
Wenn du die Route in AllTrails offline nutzen willst, musst du auf AllTrails+upgraden. Das Abo kostet 29,99 € pro Jahr, aber wenn du diesen Link nutzt, bekommst du 1 Jahr lang 30 % Rabatt (also 20,99 €). (Wir haben die App schon seit mehreren Jahren und sind sehr zufrieden damit. Unsere vollständige Bewertung findest du in diesem Artikel.)
- Anreise nach Champéry:
- Mit dem Auto dauert die Fahrt von Genf aus etwa 90 Minuten.
- Mit dem Zug: Fahren Sie nach Aigle und steigen Sie dort in den Zug nach Champéry (Endstation) um.
- Beste Wanderzeit: Normalerweise sind der Weg und die Hütten von Mitte Juni bis Mitte Oktober geöffnet. Im Juni hängt die Öffnung hauptsächlich vom Wetter und der Schneelage ab. Wir finden, dass die beste Zeit August bis September ist.

Le Petit Baroudeur: Ein super netter Backpacker in Champéry, um deine Tour auf die Dents du Midi zu starten und/oder zu beenden.
- Preis: ab 34 CHF/Nacht im Schlafsaal
- Die kleinen Extras: Der Empfang durch Catherine, die voll ausgestattete Küche, die kostenlos zur Verfügung steht, die makellose Sauberkeit.
- Mehr Infos: Le Petit Baroudeur
Tag 1: Von Barmes (oder Champéry) nach Susanfe
An diesem ersten Tag haben wir das nette Angebot von Catherine vom Petit Baroudeur angenommen, die uns zum Plateau de Barmaz (ausgesprochen „Barmes“) fahren wollte. Benoit kannte die Gegend schon, weil er dort schon mal klettern war, aber für mich war es eine Entdeckung.
Nach einer knappen 20-minütigen Fahrt von Champéry auf einer kurvigen Straße kommt man auf ein kleines Plateau, das fast wie aus der Zeit gefallen wirkt. Zwei Kantinen und ein paar Holzhäuser, sonst nichts! Na ja, doch…
Ein krasser Blick auf die Dents Blanches und die Dents du Midi
Nach einem leckeren Kaffee auf der Terrasse von Olivier, der die Kantine von Barmaz betreibt, haben wir uns auf den Weg gemacht. Die Wanderung fängt ganz gemütlich an und führt uns entlang der Berghänge bis zur charmanten kleinen Berghütte Bonavau. Da wir noch nicht müde waren, haben wir beschlossen, weiterzugehen, auch wenn die hübsche Terrasse uns echt gereizt hat… 😉
Hinweis: Normalerweise startet die Wanderung in Champéry oder Grand Paradis und man muss den auf der Karte markierten Weg hochgehen, um die Bonavau-Hütte zu erreichen.

Passage des Pas d’Encel
Kurz danach kommen wir am berühmten Pas d’Encel an… Ich sage bewusst „berühmt“, weil ich schon viel Schlechtes über diese Passage gehört hatte, die angeblich echt steil und gefährlich sein sollte. Um ehrlich zu sein, fand ich sie gar nicht so schlimm!
Klar, es geht steil bergauf, und wegen meiner Höhenangst hab ich mich nicht lange aufgehalten, um die Aussicht zu genießen, aber ehrlich gesagt ist der Aufstieg echt machbar, sogar für Angsthasen wie mich, die schnell schwindelig werden! Beim Abstieg hätte ich mich sicher nicht sehr wohl gefühlt, aber auch das hätte ich überstanden 😉



Okay, vielleicht sag ich das auch, weil wir, kaum oben angekommen, auf eine Herde kleiner Ziegen gestoßen sind, von denen eine niedlicher war als die andere! Ich muss dir gleich sagen, dass meine ganze Aufmerksamkeit auf sie gerichtet war! 🙂
Übrigens muss eine dieser Damen meine verschwitzte Haut besonders gemocht haben, denn sie hat mich von Kopf bis Fuß abgeleckt. Lecker! Hahaha


Auf zur Hütte von Susanfe
Sobald man den Pas d’Encel hinter sich gelassen hat, geht’s weiter bergauf durch wunderschöne Weidelandschaften. Die letzten 300 Höhenmeter sind echt ein Kinderspiel, weil die Landschaft so atemberaubend ist.
Als wir bei der Susanfe-Hütte ankamen, haben wir erst mal auf der Terrasse einen kleinen Drink genommen. Ich finde, so sollten alle Wanderungen enden! Ich sag’s nur, mehr nicht!
Während Benoit loszog, um den Gletscher gegenüber der Hütte zu erkunden, machte ich es mir auf einem Liegestuhl gemütlich und lernte andere Wanderer kennen, die den Abend hier verbrachten.
Die coole Hütte von Susanfe
Die Hütte von Susanfe ist echt eine dieser Hütten, in denen man sich einfach wohlfühlt… Sie liegt an der Kreuzung der Tour des Dents du Midi, der Tour des Dents Blanches und der Tour de Ruan und ist ein beliebter Treffpunkt für Wanderer. Die Atmosphäre, die Einrichtung und der super herzliche Empfang von Fabienne machen diesen Ort zu einer kleinen Oase in den Schweizer Alpen.
Fabienne ist die Hüttenwirtin von Susanfe und verbringt seit 2007 jeden Sommer dort oben! Wir empfehlen euch echt, ihr Hallo zu sagen, ihr werdet es nicht bereuen! 🙂




Wanderung von Barme nach Susanfe
- Entfernung: 7,3 km
- Höhenunterschied: 874 m
- Höhenunterschied: 279 m
- Dauer: ca. 3,5 Stunden Gehzeit
Die Hütte von Susanfe

- Preis: 70 CHF/Person für die Übernachtung im Schlafsaal, inklusive Abendessen und Frühstück.
Du kannst für 15 CHF ein Picknick für den nächsten Tag bestellen. - Die Hütte: Keine Duschen oder Strom (man kann aber Handys aufladen) und Toiletten draußen (aber super sauber!), aber mal ehrlich, deswegen kommt man ja nicht hierher… Die Atmosphäre, die Aussicht, das Essen, das selbstgebackene Brot und Fabienne, die Hüttenwirtin, sind die wahren Gründe, warum man dieses Juwel entdecken sollte!
- Mehr Infos: Die Hütte von Susanfe
Tag 2: Von Susanfe über die Haute Cime nach Salanfe
Am nächsten Morgen haben wir früh mit dem Aufstieg zum Susanfe-Pass angefangen. Zum einen, um ein bisschen im Schatten laufen zu können, aber auch, weil wir wussten, dass uns am Pass eine echte Herausforderung erwarten würde: die Haute Cime des Dents du Midi!
Benoit war schon zweimal auf dem Haute Cime und hat mir immer wieder von dem unglaublichen Panorama erzählt, das man von dort oben hat. Kurz gesagt, ich war total motiviert und dachte mir, dass diese 755 Höhenmeter vom Col de Susanfe kein Problem sein sollten und dass auch ich den höchsten Gipfel der Dents du Midi (immerhin 3257 m) besteigen würde.
Wir sind also topfit und kommen gegen 9 Uhr am Susanfe-Pass an. Dort habe ich meinen Rucksack vorsichtig an einem Pfosten aufgehängt (na ja, man sollte sich ja möglichst leicht machen, um dort hinaufzuklettern) und los ging’s!
Der Susanfe-Pass
Die Atmosphäre am Susanfe-Pass ist echt unglaublich, man fühlt sich wie auf dem Mond! Schau selbst:


Der Anfang des Aufstiegs läuft ziemlich gut. Es geht steil bergauf, aber wir haben ein gutes Tempo. Der Anfang des Weges ist ziemlich übersichtlich und es ist relativ einfach, sich zurechtzufinden, aber das gilt nur für den Anfang.
Aufstieg zum Haute Cime: Pass auf, wenn du Höhenangst hast
Nach ein paar hundert Metern werden die Fußspuren der anderen Wanderer immer schwächer und man fragt sich immer mehr, wo man eigentlich klettern soll. Der Hang wird steiler, der Weg schmaler und plötzlich waren wir an einer Stelle, wo wir uns an der Wand festhielten und unter uns nur Leere war. Wir haben schnell gemerkt, dass wir uns verlaufen hatten und statt den „Weg” zu nehmen, waren wir ein paar Meter auf einem Pfad gelaufen, den Kletterer benutzen, um die Felswände zu erklimmen. Kurz gesagt, wir mussten umkehren und zum Weg zurückgehen.
Da kam mir die super Idee, mal in Richtung Pass zu schauen. Als ich den Hang sah, fing ich ernsthaft an, mich zu fragen, wie ich da wieder runterkommen sollte… Meine Beine fingen an zu zittern, Tränen stiegen mir in die Augen. Für mich war es vorbei…


Ich hab meine Beziehung zur Höhe nie so richtig verstanden… Manchmal läuft alles super, und manchmal… geht einfach gar nichts mehr! An diesem Tag war es einer dieser Tage. Ich war etwa auf einem Drittel des Weges zum Gipfel wie gelähmt.
Benoit hat mich beruhigt, und nach ein paar Minuten ging es mir schon besser, aber klar war, dass ich diese Haute Cime nicht erklimmen würde. Benoit ist mit mir zurück zum Punkt gegangen, wo man den Weg noch gut erkennen konnte.
Der hohe Gipfel der Dents du Midi
Während ich ganz entspannt wieder runterging, um meinen Rucksack zu holen, kletterte Benoit alleine weiter zum höchsten Gipfel der Dent du Midi.
Er wird dir bestimmt bald von seiner Klettertour erzählen (er hat’s schon gemacht und der Link zum Artikel über die Besteigung der Haute Cime ist gleich da unten), aber bis dahin hier ein paar Bilder vom Gipfel…




Wenn ich diese Fotos sehe, denke ich mir, dass ich echt was verpasst habe. Wer weiß, vielleicht trau ich mich in ein paar Monaten mehr, mich in die Tiefe zu stürzen, und versuche es nochmal… Aber nicht sofort… Schon als er auf den Dent de Morcle (direkt neben dem hohen Gipfel) geklettert ist, hatte ich mir das Gleiche gedacht…
Update
Benoît ist im Sommer 2020 zum dritten Mal auf den Gipfel der Haute Cime geklettert, während ich in der Susanfe-Hütte gearbeitet habe. Er hat die Gelegenheit genutzt, um ein paar Fotos zu machen und einen Artikel über diese Besteigung zu schreiben.
Abstieg zum Salanfe-See
Als ich wieder am Pass war, ging ich alleine zum Lac de Salanfe runter. Der Abstieg ist nicht besonders schwierig, aber trotzdem ziemlich steil; das Gewicht des Rucksacks macht sich in den Knien bemerkbar und mein Magen knurrt laut (unnötig zu erwähnen, dass der größte Teil meines Picknicks auf dem Weg zur Haute Cime in Benoits Rucksack steckt) 🙂
Nach knapp zwei Stunden kam ich in der Herberge von Salanfe an. Es war gerade mal 14 Uhr, aber mit dem kleinen Adrenalinschub auf der Haute Cime hatte ich schon das Gefühl, einen verdammt guten Tag gehabt zu haben…
Den Rest des Nachmittags verbrachte ich damit, auf der Terrasse zu sitzen und mit anderen Wanderern zu quatschen, während ich auf die Rückkehr meines Mannes wartete.




Wanderung von Susanfe nach Salanfe (inklusive Aufstieg auf die Haute Cime)
- Distanz: 11,4 km
- Höhenunterschied: 1200 m (ca. 450 m ohne die Haute Cime)
- Höhenunterschied bergab: 1500 m (ca. 700 m ohne die Haute Cime)
- Dauer: ca. 6,5 Stunden Gehzeit (3 bis 3,5 Stunden ohne die Haute Cime)
Die Herberge von Salanfe
- Preis: 66 CHF pro Person im Schlafsaal mit Halbpension. 91 CHF pro Person im Zimmer mit Halbpension.
Man kann ein Picknick für den nächsten Tag für 15 CHF reservieren. - Berghütte: Super ausgestattet mit Strom, warmer Dusche und sogar Mobilfunkempfang, wenn man zur Kapelle hochgeht. Die Betten sind gemütlich und das Essen ist super!
- Mehr Infos: Die Herberge von Salanfe
Tag 3: Von Salanfe nach Mex über den Col du Jorat
Nachdem wir zwei Tage lang super Wetter hatten, sind wir leider im Regen aufgewacht. Die Vorhersage für den Tag war nicht gerade toll, aber da wir wussten, dass wir nur eine kurze Wanderung vor uns hatten, konnten wir uns ohne Probleme motivieren. Wir haben unsere schicken Regenjacken angezogen und sind zum Col du Jorat hochgeklettert.
Als wir hochgingen, hörte es auf zu regnen und wir bekamen sogar ein paar Sonnenstrahlen ab! Da die Vorhersage mal richtig lag, haben wir uns nicht beschwert! 🙂 Vor allem, weil die Aussicht vom Pass auf den Salanfe-See echt der Hammer ist!
Hey, die sonnigen Fotos, die du unten siehst, wurden 2021 gemacht, als wir nochmal da waren.




Runter vom Jorat-Pass nach Mex
Am Pass angekommen, ging der weniger spaßige Teil des Tages los… 1144 m Abstieg in Richtung Mex! Mit dem Gewicht unserer Rucksäcke sind Abstiege immer etwas anstrengend, vor allem für die Knie. Je weiter wir kamen, desto klarer wurde der Himmel. Wir hatten gedacht, dass wir den Tag im Regen verbringen würden, hatten aber letztendlich ziemlich viel Glück gehabt!


Wir kommen um 13 Uhr in der Herberge L’Armailli an, wo uns Sébastien und Guillaume beim Aperitif begrüßen. Guillaume ist der einzige Bauer in diesem kleinen Dorf mit 154 Einwohnern, während Sébastien, ein in Genf geborener Naturbiologe, aus Liebe zur Region, aber vor allem aus Leidenschaft für die Tierfotografie nach Mex gezogen ist.
Besuch und Treffen im Dorf Mex
Wir verbringen den Rest des Tages mit Sébastien, der uns mit Begeisterung sein Wahlheimatdorf und seine kleine Galerie zeigt, die er gerade eröffnet hat. An diesem Ort, den er liebevoll „La Grotte” (die Höhle) nennt, stellt er einige seiner schönsten Fotos aus. Alle seine Fotos wurden in der Region aufgenommen und zeigen, wie dieser begeisterte Fotograf die von Wanderern wenig frequentierten Wege und Hänge durchstreift, um Porträts von Tieren zu machen, die diskret mit den vorbeikommenden Wanderern zusammenleben.
Wenn du in Mex bist, solltest du unbedingt mal in seiner Galerie vorbeischauen. Es gibt keine festen Öffnungszeiten: Wenn Sebastien da ist, ist geöffnet… Ansonsten musst du einfach nochmal vorbeikommen! 😉
Einige dieser Fotos kannst du hier anschauen.
Später kommt Alexandre Gex dazu, der aus dem Dorf kommt und aus Leidenschaft Bergführer ist. Wir könnten stundenlang von diesem Tag erzählen, so sehr hat uns dieses kleine Dorf verzaubert und so viele schöne Erinnerungen haben wir dank dieser tollen Begegnungen mitgenommen. Aber wir erzählen euch in einem nächsten Artikel mehr über diese unglaublichen Menschen!
Wanderung von Salanfe nach Mex
- Distanz: 9,4 km
- Höhenunterschied: 436 m
- Höhenunterschied: 1144 m
- Dauer: ca. 3,5 Stunden Gehzeit
Die Herberge „Auberge de l'Armailli“
- Preis: 29 CHF pro Person und Nacht im Schlafsaal. 65 CHF pro Person mit Halbpension.
- Öffnungszeiten: Das ganze Jahr über geöffnet
- Herberge: Die Herberge hat nur Schlafsäle, aber die sind geräumig und haben einen hübschen kleinen Balkon. Küche steht zur Verfügung.
- Mehr Infos: L'armailli
Tag 4: Von Mex nach Anthèmes
Hey, die Fotos sind von 2021, als wir bei schönem Wetter nochmal vorbeigeschaut haben 😉
Auf dem Papier war das unser wichtigster Tag, und laut Wettervorhersage sollte es der regnerischste sein. Eine Kombination, die uns dazu gebracht hat, den Wecker früh zu stellen und loszufahren, sobald die Sonne aufgegangen war! (Na ja, Sonne ist vielleicht etwas übertrieben gesagt …)
Der Tag fängt ganz gemütlich mit einem kleinen Aufstieg im Wald an, wenn wir das Dorf Mex verlassen, bevor der Weg steil in den Wald abfällt. Da wir wissen, dass unser Ziel 1000 m höher liegt, sind diese fast 500 m Abstieg echt nervig 😉 … Ja, klar, wir wissen, dass wir sie später wieder hochsteigen müssen.
Nach gut anderthalb Stunden Wanderung kommen wir an ein Schild, das uns zeigt, dass wir zwei Möglichkeiten haben, um nach Les Jeurs, unserem nächsten Etappenziel, zu kommen.
- Der klassische Weg
- Der direkte Weg
Eine kleine Notiz sagt, dass man bei starkem Regen besser den direkten Weg nehmen sollte… Angesichts der Wettervorhersage für die nächsten Stunden entscheiden wir uns für den sogenannten „direkten“ Weg.




Auf zum Sportzentrum Les Jeurs
Also, ich hab schnell kapiert, was sie mit „direkt” gemeint haben. Dieser Weg führt dich nicht um den heißen Brei herum, sondern geht fast ohne Umwege durch die Almwiesen zwischen den Kühen hinauf.
Wir sind in dichtem Nebel und können nicht mal drei Meter weit sehen, was eine ganz besondere Atmosphäre schafft. Wir hören die Kuhglocken und spüren, dass die Kühe ganz in der Nähe sind, aber wir sehen sie nicht… Und plötzlich: PAF, stehen sie zwei Meter vor uns und gucken uns mit ihrem schuldbewussten Blick an.

Nach dreieinhalb Stunden Wanderung und total durchnässt kommen wir endlich im Sportzentrum Les Jeurs an, wo uns der Sohn von Fernand Jordan, dem Erfinder der Tour des Dents du Midi, begrüßt.
Bernard Jordan, Sohn des Gründers der Tour des Dents du Midi
Bernard ist hier in der Gegend aufgewachsen und kennt alle Geschichten aus der Region wie seine Westentasche. Bei einem guten Glas Rotwein und einem Walliser Käse- und Wurstteller erzählt er uns ein bisschen mehr über die Geschichte der Tour, aber auch Anekdoten aus der Region.

Das Sportzentrum ist eigentlich nur dem Namen nach ein Sportzentrum. Jetzt kann man dort auf der Route der Tour des Dents du Midi übernachten. Zusammen mit der Herberge von Salanfe ist es die einzige Unterkunft auf der Tour, die private Zimmer mit warmer Dusche anbietet. Mehr Infos
Nach unserem kleinen Aperitif machten wir uns im Regen wieder auf den Weg zu unserem nächsten Halt: der Herberge von Chindonne.
Die Fahrt von Les Jeurs nach Chindonne dauert nur 15 Minuten, aber das hat gereicht, um uns vom Gewitter ordentlich nass zu machen. Klar, dass wir uns gefreut haben, uns drinnen gemütlich hinzusetzen und leckere hausgemachte Burger zu genießen!
Die Herberge von Chindonne ist mit dem Auto erreichbar, liegt aber auch auf der Route der Tour. Es ist echt ein toller Ort, wo man auch übernachten oder was essen kann.


Für uns war es nur ein kurzer Stopp, um was Leckeres zu essen und den Regen ein bisschen abklingen zu lassen.
Letzte Anstrengung: Richtung Anthème-Hütte
Nachdem wir die Hütte verlassen haben, sieht der Himmel immer noch bedrohlich aus, aber es regnet nicht mehr. Das ist gut, denn wir haben noch fast dreieinhalb Stunden zu laufen, bevor wir unser Ziel erreichen: die Hütte von Anthème.

Der Weg zwischen Chindonne und Anthème ist echt angenehm, weil die restlichen 700 Höhenmeter über etwa zehn Kilometer verteilt sind, was bedeutet, dass man am Ende mehr oder weniger zügig auf einer leicht ansteigenden Ebene vorankommt (zumindest hat Benoit versucht, mich davon zu überzeugen).
Auf dem Weg kann man einen super Blick auf den Genfer See genießen! Bei uns ist es ein bisschen bewölkt, aber man kann sich leicht vorstellen, wie schön es bei gutem Wetter sein muss! (So sieht es bei Sonnenschein im Jahr 2021 aus 😉 ) Wenn du die Variante über den Lac de Soi entdecken möchtest, schau dir diesen Artikel an.




Gerade als wir dachten, dass das Wetter doch nicht so schlimm war, hat Mutter Natur uns einen kleinen Streich gespielt. Sie hat uns mit Litern und Litern Wasser überschüttet und die Wasserdichtigkeit unserer Regenjacken getestet.
Hmmm… Ergebnis? Sogar meine Schuhe, die angeblich aus Gore-Tex sind, haben Wasser durchgelassen, und wir sind total durchnässt gegen 18:30 Uhr bei der Hütte von Anthème angekommen.

Aber keine Sorge, das kleine nasse Missgeschick war schnell vergessen! In Anthème wurden wir von Pierrot super empfangen, der uns ein tolles saisonales Menü und ein super Dessert gezaubert hat: ein Aprikosensoufflé!
Ich muss dir wohl nicht sagen, dass man nicht jeden Tag so gut isst, schon gar nicht in einer Hütte! Aber hier wurden wir echt verwöhnt!
Wanderung von Mex nach Anthème
- Entfernung: 24,4 km
- Höhenunterschied: 1700 m
- Höhenunterschied: 800 m
- Dauer: ca. 7 Stunden Gehzeit
Die Hütte von Anthème

- Preis: 62 CHF mit Halbpension
- Die Hütte: Keine Duschen, aber Strom gibt's. Die Schlafsäle sind geräumig und haben Toiletten im Zimmer. Der Empfang ist super freundlich und das Essen einfach himmlisch (das leckere Dessert werden wir so schnell nicht vergessen!) 🙂
- Mehr Infos: Anthème
Tag 5: Von der Hütte von Anthème nach Champéry
Das Aufwachen fällt schwer… Da wir alleine im Schlafsaal waren, hatten wir eine super Nacht, schön warm unter unseren Decken. Aber als wir die Augen aufmachen, hören wir sofort den Regen, der gegen die Fenster der Hütte prasselt! Autsch…
Mit eher mäßiger Motivation treffen wir uns mit Pierrot in der Küche. Aber keine Sorge: Seine kleinen hausgemachten Brioches heben schnell unsere Stimmung! 🙂
Als wir uns gerade auf den 2,5-stündigen Abstieg bei strömendem Regen in Richtung Champéry vorbereiteten, klingelte Benoits Handy. Es war Catherine, die Chefin des Petit Baroudeur in Champéry. Sie erzählte uns, dass sie eine Gruppe von 5 Wanderern in ihrem Haus hat, die heute zur Tour aufbrechen. Angesichts des Wetters hat sie vorgeschlagen, sie ein bisschen vorzuverlegen und sie zum Chalet d’Anthème zu bringen, das 30 Gehminuten von der Hütte entfernt ist.
Ich bin in 45 Minuten da, willst du mich dort treffen? Dann bring ich dich nach Champéry und du kannst dich im kleinen Baroudeur richtig schön duschen…
Sie musste ihren Vorschlag nicht zweimal machen. Ohne zu zögern packten wir unsere Sachen und machten uns auf den 30-minütigen Abstieg (oder besser gesagt: Rutschpartie durch den Matsch). Mit total verschmutzten Schuhen und Hosen stiegen wir in ihr Auto und fuhren Richtung Champéry. Puh!
Aber wenn du sehen willst, wie diese Etappe bei Sonnenschein aussieht, hier sind ein paar neuere Bilder vom Sommer 2021. Du musst zugeben, dass die Hütte von Anthème ein echtes kleines Paradies ist 😉






Wanderung von Anthème nach Champéry
- Distanz: 12,3 km
- Höhenunterschied: 191 m
- Höhenunterschied: 1200 m
- Dauer: ca. 2,5 Stunden Gehzeit
Wie viele Tage braucht man für die Umrundung der Dents du Midi?
Ihr habt bestimmt gemerkt, dass wir uns für diese Runde echt Zeit gelassen haben… 🙂
Insgesamt waren wir fünf Tage unterwegs, auch wenn wir am Ende eher drei Tage gewandert sind. Am ersten Tag sind wir gegen Mittag losgelaufen, in Mex haben wir den Nachmittag mit Sébastien, Guillaume und Alex verbracht und am letzten Tag sind wir nur 30 Minuten gewandert…

Wir müssen auch zugeben, dass wir die Wanderung nicht gerade „leicht“ gemacht haben… Da wir euch viele Bilder mitbringen, aber auch ein Video drehen wollten, hatten wir zusätzlich zur Wanderausrüstung fast 13 kg an Computerausrüstung dabei. Diese Ausrüstung wurde natürlich ganz gleichmäßig verteilt (das heißt, Benoit hatte 8,5 kg und ich 4,5 kg, hihihi).
Kurz gesagt, wenn du dich fragst, wie viele Tage du wählen sollst, würde ich sagen, dass das ganz von deiner Fitness abhängt. Wir haben ein paar Routenvorschläge für dich, damit du dir ein Bild machen kannst.
Das sind natürlich nur Vorschläge, die Tour kann in jeder Richtung mit den Etappen deiner Wahl gemacht werden.
Für die Entfernungen und Höhenunterschiede kannst du auf die Karte weiter oben in diesem Artikel schauen oder die Infos auf der Website der Tour nachlesen.
2 Tage
Für erfahrene Wanderer und Sportler! Ich persönlich finde das ziemlich schwierig, aber anscheinend ist es machbar… Wenn du die Haute Cime erklimmen willst, empfehlen wir dir etwas wie:
- 1. Tag: Champéry-Susanfe-Susanfe-Pass-Haute Cime-Susanfe-Pass-Salanfe-Mex.
- 2. Tag: Mex-Chindonne-Anthème-Champéry.
3 Tage
Die Option für Sportler mit der Haute Cime:
- 1. Tag: Chindonne-Anthème-Susanfe
- 2. Tag: Susanfe – Haute Cime – Salanfe
- 3. Tag: Salanfe-Mex-Chindonne
3 Tage für Leute, die’s mit Wandern draufhaben, aber nicht unbedingt super sportlich sind:
Das geht auch, aber dann würde ich den Haute Cime weglassen. Die Route würde dann eher so aussehen:
- 1. Tag: Chindonne-Anthème-Bonaveau
- 2. Tag: Bonaveau-Susanfe-Salanfe
- 3. Tag: Salanfe-Mex-Chindonne
4 Tage oder 5 Tage
Für jeden machbar! Wir haben die Tour in 5 Tagen gemacht (siehe unsere Route oben) und es ist echt für jeden zu schaffen! Die Strecken sind nicht zu lang und man hat genug Zeit, um Pausen einzulegen, früh in der Unterkunft anzukommen und die Atmosphäre in den Hütten und die Abende zu genießen.
Vorschlag, wenn du lieber 4 Tage machen möchtest:
- 1. Tag: Mex-Chindonne-Anthème
- 2. Tag: Anthème-Susanfe
- 3. Tag: Susanfe – Haute Cime – Salanfe
- 4. Tag: Salanfe-Mex und Besuch des Dorfes Mex.
Weitere Beispiele für mögliche Routen findest du auf der Website des Tourenvereins. Es gibt verschiedene Varianten (die Besteigung der Haute Cime ist eine davon), mit denen du das Vergnügen ein bisschen verlängern kannst, zum Beispiel:
- Von Salanfe zur Berghütte „Refuge des Dents du Midi” hoch (eine coole Alternative zur Haute Cime, weil es nicht ganz so anstrengend ist)
- Die Besteigung des Haute Cime des Dents du Midi
- Aufstieg zur Dent de Valerette und zur Chalin-Hütte zwischen Chindonne und Anthème. Eine luftige und wenig begangene Route, die wunderschöne Landschaften bietet.
- Aufstieg zur Aiguille de Mex
- Geh am super schönen See Lac de Soi zwischen Chindonne und Anthème vorbei.
Hier sind ein paar Fotos von all diesen Tourvarianten, damit du Lust bekommst, die eine oder andere auszuprobieren und deine Tour auf den Dents du Midi ein bisschen zu verlängern.






Hey, dieser Artikel hat Links zu Partner-Websites. Wenn du über diese Links was kaufst, kostet dich das natürlich keinen Cent mehr, aber wir kriegen eine kleine Provision. Danke für deine Unterstützung 😉
Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen, die uns diese Tour ermöglicht haben, und für ihre super Gastfreundschaft! Diese Wanderung wurde zusammen mit dem Verein „Tour des Dents du Midi“, dem Tourismusbüro von Champéry und dem Tourismusbüro von Morgins organisiert.


Besuch und Treffen im Dorf Mex






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