Heute nehmen wir euch mit auf eine einfache Wanderung in der Fjordregion Norwegens. Und ich betone das Wort „einfach“ ganz bewusst, denn in Norwegen gehen Wandern und „einfach“ nicht unbedingt Hand in Hand. 😉 Die Höhenunterschiede sind oft beeindruckend und das Gelände ist wirklich nicht einfach. Aber dieses Mal ist die Wanderung nach Hamnanova eine hervorragende Möglichkeit, einen atemberaubenden Blick auf den Kjøsnesfjord und den Jølstravatnet-See zu genießen, ohne unbedingt extrem steile Hänge erklimmen oder einen großen Höhenunterschied einplanen zu müssen.

Wo verläuft die Wanderung von Hamnanova?
Die Wanderung nach Hamnanova liegt in der Region Vestland in Norwegen. Es gibt zwar keine besonders bekannten Orte direkt in der Nähe, aber die Route befindet sich unweit der E39, die Bergen mit Ålesund verbindet. Wir sind diese Route gewandert, als wir von der Region Bergen nach Olden unterwegs waren. Am Tag zuvor waren wir auf dem Raudmelen gewandert, einem weiteren Aussichtspunkt, der in der Nähe der Kleinstadt Balestrand liegt.
Bericht über unsere Wanderung zum Hamnanova

Wir kamen gegen 11 Uhr auf dem kleinen Parkplatz an, der direkt an der Straße „Orkavegen“ liegt. Der Himmel war grau und es regnete ein bisschen… Aber na ja, wir sind in Norwegen, und da lassen wir uns von ein paar Tropfen Regen doch nicht entmutigen! Zumal die Radarbilder in der Yr.no-App auf eine Aufhellung hindeuteten.
Kurz gesagt, wir sind voller Zuversicht im Regen losgelaufen. Da diese Route auf der offiziellen Website Norwegens empfohlen wurde, dachten wir uns, dass der Weg auf der gesamten Strecke bestimmt gut ausgebaut sein würde… Naivität, du hast uns wieder mal erwischt!
Anmerkung: Ich mache hier mal einen kleinen Exkurs zum Thema Wetter-App, aber wenn du nach Norwegen reist, empfehle ich dir, die App „YR.no“ herunterzuladen. Das ist die offizielle Wetter-App, und obwohl das norwegische Wetter immer noch für ein paar Überraschungen in letzter Minute sorgen kann, fanden wir, dass diese App die zuverlässigste ist. Besonders interessant ist der Reiter „Satellitenanimation“, der die Entwicklung der nächsten 90 Minuten zeigt – so kannst du gut einschätzen, ob du unter die Dusche kommst oder gerade noch dem Regen entkommst. Die App ist zu 100 % kostenlos.
Der Aufstieg zur kleinen Hütte und ihre Toiletten mit Panoramablick
Am Parkplatz haben wir die angenehme Überraschung, dass der Weg perfekt markiert ist und vor allem: Große Steinplatten sind sehr regelmäßig verlegt, sodass wir uns die Füße nicht (allzu sehr) nass machen. In diesem Moment denken wir uns, dass die Norweger doch verdammt gut drauf sind. 😉 Nach etwa 400 m im Wald kommen wir an eine Kreuzung, an der sich die heutige Route in zwei Teile teilt. Ein kurzer Blick auf die Wettervorhersage und wir sehen, dass in 30 Minuten eine schöne Aufhellung in Sicht ist. Wir beschließen also, nach links abzubiegen (der direkteste Weg), in der Hoffnung, oben ein paar Sonnenstrahlen genießen zu können.



Der Aufstieg ist wirklich super angenehm! Das Gefälle ist sanft und man gelangt ganz mühelos auf dieses erste Plateau, auf dem sich die kleine Hütte befindet – und vor allem: ein atemberaubender Blick auf den Kjøsnesfjord und den Jølstravatnet-See. Für die schönste Aussicht empfehlen wir dir, ein Stückchen in Richtung Fjord zu gehen (entgegen der kleinen Hütte).

Wir waren echt stolz, als wir feststellten, dass unsere Berechnungen goldrichtig waren! An diesem Tag hatten wir genau 20 Minuten Sonne und blauen Himmel, und ich verrate euch mal: Das war genau in dem Moment, als wir auf dem Gipfel waren und unser Picknick ausgepackt haben. Wenn man sich unsere Statistiken der letzten Wochen ansieht, möchte ich euch sagen, dass wir auf dieses Timing wirklich stolz sein können. 😉


Fun Fact: Oben gibt’s auch eine Toilette, die aussieht, als würde sie über dem Fjord schweben. Das hat uns zum Lachen gebracht, denn seit Beginn der Reise sind wir beeindruckt davon, wie oft man in Norwegen auf öffentliche Toiletten stößt. Man kann also sagen, dass wir das hier nicht erwartet hätten! Und aufgepasst: Das sind Toiletten in norwegischer Qualität! Es war super sauber, es gab Toilettenpapier und sogar Desinfektionsgel zum Händewaschen. Allerdings ist es besser, die Tür offen zu lassen (wenn ihr oben ganz allein seid – da sind wir uns einig). Zum einen habt ihr so beim kleinen Geschäft den Ausblick eures Lebens, und nun ja … seien wir ehrlich: Das schont euren Geruchssinn … Denn ja, es ist sauber, aber es gibt natürlich weder fließendes Wasser noch eine Abwasserleitung. Im Grunde handelt es sich um ein Loch mit einer Toilettenschüssel darüber. 😉

Der „wahre Gipfel“ liegt noch ein Stück weiter
Die kleine Hütte ist „offiziell“ das Ziel der Wanderung, aber eigentlich liegt der echte Gipfel noch etwa 80 Höhenmeter höher und ist durch einen großen Steinhaufen markiert. Zugegeben, die Aussicht auf den Fjord ist von der Hütte aus besser, aber das Panorama, das sich auf der anderen Seite am Gipfel auftat, hat uns trotzdem sehr gut gefallen. Kurz gesagt: Wir empfehlen euch auf jeden Fall, noch ein Stück weiterzugehen, nachdem ihr die Aussicht in Hamnanova genossen habt!


Zurück zum Parkplatz auf der anderen Seite
So gut wir auch mit den Wettervorhersagen für heute lagen, so sehr hätten wir uns den Rückweg besser aussuchen können… Der erste Abschnitt bis zum Gipfel war völlig in Ordnung (genau wie der erste Teil des Abstiegs in Richtung Parkplatz). Aber als wir uns dem Wald näherten, wurde es richtig ungemütlich.

Hier vergisst man sofort die regelmäßig verlegten Platten, die eigentlich den Schlamm verhindern sollen… Vielmehr befinden wir uns auf einem Ninja-Warrior-Parcours, auf dem kleine Äste plötzlich wie Trockeninseln mitten im Matsch wirken. Wir hätten nach dem Gipfel umkehren können (sollten?), aber was soll’s – wir sind nun mal stur, wenn es darum geht, eine Runde zu drehen.
Es ist also schwer zu sagen, wie dieser Abschnitt des Weges aussieht, wenn es nicht regnet … aber an einem Regentag kann man einfach sagen, dass es „knifflig“ war. Mit festen Wanderschuhen ist es machbar, aber wenn du dich wie ich für kleine Trail-Sneaker entschieden hast, sollte ich dich lieber warnen: Es wird schwierig, trocken zu bleiben.
Zu Beginn der Abfahrt habe ich viel Einfallsreichtum bewiesen, um keine „Fehltritte“ zu machen. Ich hatte sogar 2–3 Steine mitgenommen, um sie an den Stellen „abzulegen“, von denen ich dachte, dass sie etwas feuchter wären. Letztendlich hab ich’s dann doch aufgegeben und mich einfach geschlagen gegeben.
Hier ist noch ein letztes Bild von meinen Füßen, die noch relativ trocken waren, bevor ich aufgegeben und einfach akzeptiert habe, dass ich bis zu den Knöcheln „drin“ stecke.

Kurz gesagt: Wir würden dir die Rundwanderung nur bei trockenem Wetter empfehlen. Ansonsten solltest du lieber eine Hin- und Rückwanderung zum Gipfel machen.
Praktische Infos zur Wanderung in Hamnanova
Parken:
Am Startpunkt der Wanderung gibt es eigentlich keinen richtigen Parkplatz. Es handelt sich eher um einen kleinen Platz an der Straße, auf dem 3–4 Fahrzeuge parken können. Ansonsten kann man auch am Straßenrand anhalten, da dort nicht viel Verkehr herrscht. Na ja, die Wanderung ist bei den Einheimischen zwar relativ beliebt, aber man ist weit entfernt von den „klassischen“ Wanderungen und wird nicht auf Hunderte von Leuten treffen. Um dir eine Vorstellung zu geben: Bei unserem Spaziergang sind wir auf dem Rückweg genau 5 Personen begegnet.
Streckenlänge, Höhenunterschied und Wanderkarte

Wie ich dir schon in der Einleitung gesagt habe, handelt es sich hier um eine kleine Wanderung, die wirklich für alle geeignet ist. Insgesamt ist die gesamte Strecke 3,6 km lang und hat 350 m Höhenunterschied. Wenn du statt der Rundwanderung nur hin und zurück zur kleinen Hütte gehst, verkürzt sich die Strecke auf 2,8 km mit 280 m Höhenunterschied.
Was die Gehzeit angeht, hängt das natürlich von deinem Tempo und den Geländebedingungen ab, aber ich würde sagen, man muss für die Runde etwa 1:30 bis 2 Stunden einplanen. Das mag angesichts der Entfernung viel erscheinen, aber wenn das Wetter feucht ist, wie bei unserem Besuch, dann ist das durchaus realistisch. Auch wenn ich zugeben muss, dass es am Ende, nachdem ich beschlossen hatte, die Idee, meine Füße trocken zu halten, aufzugeben, letztendlich schneller ging. haha
Wichtige Info zu den Karten: In Norwegen sind die Wanderwege in den Apps (Maps.Me, Alltrails, Komoot oder andere) normalerweise super gut markiert. Seltsamerweise fehlt die Hamnanova-Wanderung komplett auf den topografischen Karten. Das ist ziemlich überraschend, da die Wanderung auch auf der offiziellen Website Norwegens hervorgehoben wird. Kurz gesagt: Unsere Route unten zeigt unseren Wegverlauf, aber keine Sorge, der Weg ist perfekt markiert! Du kannst dich unmöglich verlaufen. 😉
Wann sollte man die Wanderung machen?
Die Wanderung führt nicht sehr hoch hinauf. Der Gipfel liegt „nur“ auf etwa 750 m, wodurch diese Wanderung einen Großteil des Jahres ohne Schnee machbar ist. Im Mai hatten wir keinerlei Probleme beim Aufstieg. Allerdings würde ich sagen, dass das Gelände in dieser Gegend grundsätzlich ziemlich „matschig“ ist, und man sollte daher besser bei trockenem Wetter kommen und möglichst nicht direkt nach starken Regenfällen. Aber das ist natürlich relativ… Wenn es dir nichts ausmacht, ein bisschen nasse Füße zu bekommen, lohnt sich die Aussicht auf jeden Fall, auch wenn es feucht ist. Ich für meinen Teil habe an diesem Tag den „Fehler“ gemacht, auf meine festen Wanderschuhe zu verzichten, denn als ich die Entfernung und den Höhenunterschied sah, dachte ich mir, dass ich mich in Trail-Sneakern wohler fühlen würde. Ich hab mich zwar wohlgefühlt, aber mal ehrlich: Am Ende waren meine Schuhe total durchnässt. 😉
So, wir hoffen, dass euch diese Wanderung gefällt und dass sie euch Lust macht, die Gegend ein bisschen zu erkunden. Wir sehen uns ganz bald wieder mit der Fortsetzung unserer Reise durch Norwegen. Wir haben in unseren 6 Wochen mehr als 40 Wanderungen unternommen – ihr könnt euch also darauf gefasst machen, dass es auf dem Blog noch jede Menge zu lesen geben wird. 😉
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